Forschungsinteressen

Philip Bajons Forschungsinteressen liegen in der Zeitgeschichte und der interdisziplinären Europaforschung. Seine bisherige Forschung galt den Europäisierungsbestrebungen der Zwischenkriegszeit sowie den deutsch-französischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere der französischen Außenpolitik unter Präsident Charles de Gaulle. Philip Bajons aktuelle Forschung betrifft die Rechtsgeschichte der Europäischen Einigung. Sein besonderes Interesse gilt verfassungsrechtlichen Debatten innerhalb der Europäischen Gemeinschaften über das gemeinschaftliche Entscheidungsverfahren, die politische Finalität der Gemeinschaften sowie deren demokratische Qualität im Wandel der Zeit. Sein Projekt Der Luxemburger Kompromiss im Wandel der Zeit 1966-93 analysiert den Aufstieg der in der Ratspyramide vereinten Mitgliedstaaten zur dominierenden Kraft der europäischen Integration. Es wird helfen zu erklären, wie die Mitgliedstaaten zwischen den Römischen Verträgen von 1957 und dem Vertrag von Maastricht von 1992 auf die konstitutionelle Praxis im europäischen Recht sowie auf die Entstehung einer vor-föderalen europäischen Rechtsordnung reagierten.

Projekte

Vita

Philip Bajon studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie an der Sorbonne Université Paris (Maîtrise, 2003) und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Magister Artium, 2004). Er wurde 2010 in einem deutsch-französischen Kooperationsverfahren (cotutelle de thèse) an den Universitäten Sorbonne Université und Universität Duisburg-Essen mit summa cum laude promoviert. Die aus seiner Dissertation hervorgegangene Monographie behandelt die europäische Verfassungskrise der Jahre 1965-6, weithin bekannt als die "Krise des leeren Stuhls".

Philip Bajon war zwischen 2010 und 2012 Jean Monnet Postdoc Fellow am Robert Schuman Center for Advanced Studies des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz. Er war Gastdozent und Fellow am Institut für Europastudien der Hebräischen Universität zu Jerusalem, Israel, in den Jahren 2012 und 2013. Anschließend unterrichtete er die Geschichte der Europäischen Integration und des Kalten Krieges an der Universität Köln, bevor er im Oktober 2015 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Frankfurter Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte wechselte.

Philip Bajons Forschung ist im Schnittbereich von Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaft angesiedelt. Am MPIeR führt er derzeit ein Forschungsprojekt zur Institutionen- und Verfassungsgeschichte der Europäischen Gemeinschaften zwischen den 1960er- und den 1990er-Jahren durch, in dem er die informelle Entscheidungsfindung der Gemeinschaften untersucht. Sein weiteres Interesse gilt der biographischen Forschung über Juristinnen und Juristen im Prozess der Europäischen Einigung. Philip Bajon nimmt als Interviewer auch am Projekt über eine oral history des Europäischen Gerichtshofes teil. Er war Gastdozent an der Universität Tokio Todai (2014), Karl-Ferdinand-Werner-Fellow am Deutschen Historischen Institut Paris (2017) und Postdoc-Fellow am Deutschen Historischen Institut London (2017).

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