Zuständige Wissenschaftlerin

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Prof. Dr. Barbara Dölemeyer
(im Ruhestand)

Publikationen

Vernetzung im Forschungsprofil

Kompetenzbereich

Wissenschaftliche Kommunikation im 19. Jahrhundert

abgeschlossen

Die Bedeutung von Briefwechseln als Quelle der Sozial-, Politik- und Kulturgeschichte ist seit langem bekannt; Briefe spielten eine essentielle Rolle im Kommunikationssystem des 19. Jahrhunderts. Unter den bisher bekannten Korrespondenzen von Juristen des 19. Jahrhunderts weist keine ähnliche Dimensionen auf wie der in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrte Briefwechsel Karl Josef Anton Mittermaiers (1787-1867).

Er betrifft vorwiegend die Zeitspanne 1830-1867 und umfasst 12.107 Dokumente, darunter nur wenige hundert Konzepte von Mittermaier selbst. Die Briefe an Mittermaier stammen aus allen Ländern Europas (je ca. 6.000 aus Deutschland und dem europäischen Ausland) und den USA (ca. 200 Briefe). Unter den Absendern sind Universitätsprofessoren, Rechtsanwälte, Richter, Beamte, Politiker und Verwaltungsangehörige. Der Briefwechsel war die Basis der intensiven herausgeberischen Aktivität Mittermaiers, insbesondere für die 1828 gegründete "Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft und Gesetzgebung des Auslandes", die das Ziel verfolgte, die internationalen Strömungen der juristischen Wissenschaft, die Entwicklung der Rechtsordnungen durch Gesetzgebung und die Verwaltungsreformen infolge radikaler politischer und wirtschaftlicher Veränderungen kritisch zu verfolgen und darüber kontinuierlich zu informieren.

Das Editionsvorhaben organisierte die Veröffentlichung signifikanter Teile der Korrespondenz Mittermaiers mit deutschen und anderen Briefpartnern in und außerhalb Europas. Soweit Gegenbriefe auffindbar sind, wurden diese ebenfalls publiziert. Insgesamt soll die Internationalität des wissenschaftlichen Austauschs sichtbar gemacht und ein Einblick in ein rechtswissenschaftliches "Netzwerk" von großer Reichweite gegeben werden.

Publikationen

Bisher sind folgende Bände des Editionsprojekts in der Reihe "Juristische Briefwechsel des 19. Jahrhunderts" erschienen (bibliographische Angaben siehe dort):

  • Briefwechsel Karl Josef Anton Mittermaier - Rudolf von Gneist (hrsg. und bearbeitet von Erich J. Hahn)
  • Karl Josef Anton Mittermaier - Hermann Fitting (hrsg. und bearbeitet von Lieselotte Jelowik), beide 2000
  • Briefe deutscher und Schweizer Germanisten an Karl Josef Anton Mittermaier (hrsg. und bearbeitet von Lieselotte Jelowik), 2001
  • Briefe von Mitgliedern der badischen Gesetzgebungskommissionen an Karl Josef Anton Mittermaier (hg. und bearb. von Dorothee Mußgnug), 2002
  • Briefe deutscher Strafrechtler an K. J. A. Mittermaier (hg. und bearbeitet von Lieselotte Jelowik), 2005
  • Briefwechsel zwischen Robert von Mohl und K.J.A. Mittermaier (hg. und bearb. von Dorothee Mußgnug), 2005
  • Briefe Herrmann Theodor Goldtdammers an K. J. A. Mittermaier (hg. und bearb. von Dorothee Mußgnug), 2007
  • Briefe Leopold August Warnkönigs an K.J.A. Mittermaier 1833-1858 (hg. und bearb. von Lieselotte Jelowik), 2009

Eine weitere Edition hat Lars Hendrik Riemer im Rahmen seiner Dissertation "Das Netzwerk der Gefängnisfreude (1830-1872) - Karl Josef Anton Mittermaiers Briefwechsel mit europäischen Strafvollzugsexperten" vorgelegt, Luigi Nuzzo 2004 eine Bibliographie der Werke Karl Josef Anton Mittermaiers.

Die Erschließung der Briefwechsel mit weiteren Korrespondenten wird auf Regesten zu beschränken sein, die der Forschung als Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Korrespondenz mit den österreichischen Briefpartnern Mittermaiers (darunter Julius Glaser und Moriz von Stubenrauch, zwei wichtige Herausgeber juristischer Zeitschriften) sowie mit dem Zeitschriftenherausgeber und Redakteur Jean Jacques Gaspard Foelix, wird in dieser Weise erfasst.

Im Rahmen des Projekts "Juristische Briefwechsel des 19. Jahrhunderts" sind außerdem die Bände "Victor Ehrenberg und Georg Jellinek. Briefwechsel 1872-1911" mit einer Einleitung von Christian Keller, 2005 sowie Alfons Aragoneses, Recht im Fin de siècle. Briefe von Raymond Saleilles an Eugen Huber (1895-1911), 2007, erschienen.

Aus dem Editionsvorhaben ist ein erweitertes Projekt hervorgegangen, das als rechtshistorisches Teilprojekt "Juristische Wissenskommunikation im 19. Jahrhundert" in dem an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt installierten interdisziplinären Forschungskolleg "Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel" figurierte. Die aus der ersten Phase des Teilprojekts stammende Dissertation von Lars H. Riemer, Das Netzwerk der 'Gefängnisfreunde' (1830-1872). Karl Josef Anton Mittermaiers Briefwechsel mit europäischen Strafvollzugsexperten ist in zwei umfangreichen Bänden Anfang Juli 2005 erschienen. Der Schwerpunkt wurde dann auf die Untersuchung der "Juristischen Zeitschriften als neuen Medien der Wissenskommunikation (19. und 20. Jahrhundert)" verlagert. Unter dem Titel Demokratisierung und Öffentlichkeit hat sich das 2008 abgeschlossene Teilprojekt auf die Analyse der juristischen Zeitschriften konzentriert. Daraus ist die Dissertation von Monika Krupar "Tschechische juristische Zeitschriften des 19. und 20. Jahrhunderts" hervorgegangen.

 
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