Zuständiger Wissenschaftler

PD Dr. Peter Collin
Peter Collin
Wissenschaftler Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
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Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung II

Sonderordnungen

Normative Diversität unter den Bedingungen funktionaler Ausdifferenzierung im 19. und 20. Jahrhundert

Die Rechtsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Ambivalenz aus. Auf der einen Seite war es die Zeit der großen Kodifikationen, die weitgehend von der Gleichheit der Rechtsadressaten ausgingen und weite Lebensbereiche umfassend regelten.  Dieses gleichheitsbasierte Recht repräsentierte – jedenfalls was die justizielle und rechtswissenschaftliche Aufmerksamkeit betraf – das Rechtssystem. Auf der anderen Seite machte sich die funktionale Ausdifferenzierung der modernen Gesellschaft durch immer neue Regelungsbedürfnisse für bestimmte Gruppen und Sonderlagen bemerkbar. Dies konnte resultieren in der Ausdifferenzierung des staatlichen Rechts selbst, aber auch in der Schaffung autonomer oder semi-autonomer rechtlicher Sonderordnungen der betroffenen Gruppen.

Das Projekt richtet seine Aufmerksamkeit auf die letztgenannte Konstellation, und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens sollen jene rechtswissenschaftlichen Arbeiten ins Licht gerückt werden, die versuchten, das Problem nichtstaatlicher Normativität rechtstheoretisch zu erfassen und rechtsdogmatisch anschlussfähig zu machen. Und zweitens soll untersucht werden, welche Strategien der Normsetzung und Normdurchsetzung in einzelnen Sektoren sozialer Praxis entwickelt wurden und wie daraus eigenständige Konzeptionen von Normativität entstanden.

 
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