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SFB 1095 "Schwächediskurse und Ressourcenregime"

Der Umgang mit materiellen wie immateriellen Ressourcen stellt für alle Gesellschaften eine zentrale Herausforderung dar. Auffallend häufig ist die Verteilung von Ressourcen mit der Rede über Schwäche verbunden. So können einzelne Individuen oder ganze Staaten als schwach gelten, weil sie nicht über ausreichende Ressourcen verfügen oder die Forderung nach Ressourcen wird mit der eigenen Schwäche begründet.

Ziel des neuen DFG-Sonderforschungsbereichs 1095 „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ an der Goethe-Universität ist es, den Wandel im Umgang mit Ressourcen in historisch und transkulturell vergleichender Perspektive zu untersuchen. Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte sind mit zwei Projekten an dem interdisziplinär angelegten Forschungsvorhaben beteiligt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zunächst bis Ende 2018 gefördert wird.

In insgesamt 16 Projekten erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geschichte, Rechtsgeschichte, Ethnologie und anderen Fächern den Zusammenhang von Ressourcenregimen und Schwächediskursen auf zwei Ebenen.

Zum einen wird in empirischen Fallstudien danach gefragt, in welchem Maß die Zuschreibung von Schwäche zu einer Reflexion über die Verteilung von (potentiell) knappen Ressourcen führt und dadurch einen Veränderungsdruck erzeugt. Lassen sich für verschiedene Epochen und in unterschiedlichen ethno- und geographischen Kontexten spezifische „Ressourcenregime“ ausmachen, durch die im Zusammenspiel von Norm und Praktiken die Abhängigkeit von und der Zugriff auf Ressourcen organisiert wird?

Ausgehend von den empirischen Befunden soll zum anderen ein methodisch-theoretisches Instrumentarium entwickelt werden, das geeignet ist, den Wandel historischer wie gegenwärtiger Formationen im Hinblick auf ihre relative „Schwäche“ oder „Stärke“ zu beschreiben. So erfolgt in politischen Debatten ebenso wie in historischen Analysen die Diagnose der Schwäche eines einzelnen Akteurs oder staatlichen Verbandes oftmals weitgehend unreflektiert. Die Rückbindung der jeweiligen Schwächediskurse an die Verfügbarkeit und Organisation von Ressourcen kann dazu beitragen, den Begriff der Schwäche analytisch zu schärfen und heuristisch fruchtbar zu machen.

Gemeinsam ist den Projekten ein offener Ressourcenbegriff, der sowohl materielle als auch immaterielle Ressourcen umfasst. Auf diese Weise rücken auch gesellschaftlich produktive Ressourcen wie Wissen, Recht und Information in den Fokus, wie sie in den beiden am Institut angesiedelten Projekten "Das Wissen der Pragmatici" und "Information als Ressource für juridische Entscheidungsprozesse. Zur Entstehung moderner Informationsregimes im Papsttum der Frühen Neuzeit" untersucht werden.

 
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