Zuständiger Wissenschaftler

PD Dr. Peter Collin
Peter Collin
Wissenschaftler Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
Telefon: +49 (69) 789 78 - 258
Fax: +49 (69) 789 78 - 169

Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung II

Schiedsstaatlichkeit

Staatlich-private Interessenaustarierung durch Schiedsinstitutionen im Deutschland des Kaiserreichs und der Weimarer Republik

Teilprojekt im Rahmen des LOEWE Schwerpunkts „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung"

Seit Ende des 19. Jahrhunderts verstärkte sich die Organisation gesellschaftlicher Interessen in nichtstaatlichen, wenngleich teilweise eng mit dem Staat verbundenen Institutionen. Deren Aufgaben waren mannigfaltig: Erstellung von Regelwerken und Leitlinien, soziale und finanzielle Selbsthilfe, Sicherung von Ausbildungs- und Qualitätsstandards, Sicherung berufsständischer Disziplin, teilweise Wahrnehmung staatlicher Hoheitsbefugnisse. In weitem Ausmaß agierten Selbstregulierungsinstitutionen aber auch als Einrichtungen, in denen in einem förmlichen Verfahren Konflikte ausgetragen wurden – Konflikte, die der staatlichen Gerichtsbarkeit nicht überantwortet waren oder bei denen sie nur zweitinstanzlich fungierte. Meist als Schlichtungs-, Schieds- oder Einigungsstellen firmierend, wiesen diese Einrichtungen unterschiedliche Formen auf: Sie konnten innerhalb einer schon bestehenden Organisation angesiedelt sein (z.B. Schiedsgerichte bei den Berufskammern) oder für Konflikte zwischen verschiedenen Organisationen geschaffen werden (z.B. Schiedsstellen für Streitigkeiten aus den Mangelverträgen zwischen den Dachverbänden von Banken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften) oder in behördlicher Trägerschaft errichtet, aber mit Vertretern gesellschaftlicher Gruppen besetzt sein (z.B. Mieteinigungsämter).

Obgleich an sich bekannt, sind diese Formen der Konfliktlösung bisher kaum rechtshistorisch aufgearbeitet.

Das Projekt beabsichtigt die Schließung dieser Forschungslücke und soll derartige Institutionen auch als Alternativmodell zum staatlichen Rechtsprechungsmonopol (und auch zum administrativen staatlichen Entscheidungsmonopol) untersuchen. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei vor allem auf die Frage, inwieweit in ihrer Funktionsweise die Wechselwirkungen zwischen staatlichen Steuerungsambitionen und Selbstorganisationsbestrebungen gesellschaftlicher Teilbereiche zum Tragen kamen.

Das Projekt wurde vom 1.1.2012 bis zum 31.12.2014 im Rahmen des LOEWE-Schwerpunkts „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“, einem Exzellenzprogramm des Landes Hessen, gefördert. Die Dokumentation der Projektergebnisse wird in Form einer Monographie erfolgen.

Publikationen

1.
Peter Collin, "Das Berliner Abkommen von 1913 im Spannungsfeld rechtshistorischer Entwicklungstendenzen," Vierteljahresschrift für Sozialrecht 32, 173-194 (2014).
2.
Peter Collin, "Judging and Conciliation – Differentiations and Complementarities", in Max Planck Institute for European Legal History Research Paper Series, (2013), Vol. 2013-04, pp. 14.
3.
Peter Collin, "Richten und Schlichten: Differenzen und Komplementaritäten", in LOEWE-Schwerpunkt "Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung": Arbeitspapier = LOEWE research focus "Extrajudicial and judicial conflict resolution": working paper, (2012), Vol. 2.
 
loading content