Zuständige Wissenschaftlerin

Dr. Emily Whewell
Emily Whewell
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Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung I

Regulierungsformen innerhalb des Britischen Empire und das “Flüchtlingsproblem”

Auslieferungspraktiken in Hong Kong, Trinidad und Gibraltar im späten 19. Jahrhundert

Der Zeitraum Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts kann als prägend für die Schaffung, Reform und Ausweitung der Auslieferungspraktiken und Vorschriften im Britischen Empire weltweit angesehen werden. Bilaterale Verträge und regionale Vorschriften sollten die Auslieferungspraktiken zwischen England und seinen verschiedenen überseeischen Gerichtsbarkeiten mit anderen Staaten in Lateinamerika, der Karibik, Afrika, Asien und dem Pazifik festlegen. Gleichfalls nahmen die innerhalb des britischen Empire geltenden Auslieferungs- und Abschiebungsbestimmungen von britischen Jurisdiktionen untereinander an Bedeutung zu, da sich britische Bürger innerhalb dieser Gebiete in wachsender Zahl hin und her bewegten. Der Fugitive Offenders Act von 1882 sollte die Auslieferungs- und Deportationspraktiken für flüchtige britische Staatsbürger innerhalb des Empire festlegen. Die steigende Zahl der Auslieferungsbestimmungen in diesem Zeitraum läßt darauf schließen, daß eine internationale Kooperation sowie die Regulierung von Bestimmungen gegen grenzübergreifende Kriminalität entscheidend für die transnationale Sicherheit auf dem Höhepunkt des British Empire waren. Das Phänomen internationaler „Flüchtlinge“ warf wichtige Fragen auf wie Bürgerrechte, Staatsangehörigkeit, diplomatische Beziehungen sowie die Eingliederung der sich entwickelnden Bestimmungen und Praktiken in die internationale Rechtsprechung.

Im Forschungsprojekt geht es um ein Verständnis der Auslieferungspraktiken im Britischen Empire, wobei drei Fallstudien, Hongkong, Trinidad und Gibraltar, miteinander verglichen werden. Die Studien stammen aus drei verschiedenen Regionen der Erde und sollen die Interaktion mit benachbarten britischen Jurisdiktionen und anderen Weltreichen aufzeigen: Hong Kong mit dem Chinesischen Großreich, Trinidad mit Französisch-Guayana, und Gibraltar mit Spanien. In dem Projekt geht es um ein Verständnis der Umsetzung des Fugitive Offenders Act in diesen drei Fällen sowie um Auslieferungspraktiken zwischen benachbarten Imperien. Es werden folgende Fragen gestellt: Worin lagen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von bilaterialen Verträgen und des Fugitive Offenders Act? Welcher Quellen bediente sich das Anfechtungsrecht? Wie wurden hauptstädtische, gesetzlich verankerte Konzepte durch lokale Kontexte und Verhandlungen beeinflusst und aus welchem Grund? Lassen sich Gemeinsamkeiten bei der Weiterentwicklung der Auslieferungspraktiken erkennen? Um zu einem Verständnis dieser Praktiken zu gelangen, wird sich das Projekt auf Fallstudien beziehen. Da „Flüchtlinge“ ein weites Spektrum von Menschen umfaßten, das von ausgebrochenen Strafgefangenen, Piraten, Deserteuren, politischen Verdächtigen bis hin zu normalen Strafverdächtigen reichte, ist es Ziel des Projekts, die Vielfältigkeit der Fälle aufzuzeigen, um zu einem Verständnis zu gelangen, wie die von einem breiten Spektrum von Personen begangenen unterschiedlichen Verbrechen das Verständnis von Staatsangehörigkeit und nationaler Sicherheit unterschiedlich beeinflussten.

 
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