Zuständiger Wissenschaftler

PD Dr. Peter Collin
Peter Collin
Wissenschaftler Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
Telefon: +49 (69) 789 78 - 258
Fax: +49 (69) 789 78 - 169

Projektgruppe

Prof. em. Dr. Dr. h. c. mult. Michael Stolleis
Michael Stolleis
Wissenschaftliches Mitglied
Telefon: +49 (69) 789 78 - 151
Fax: +49 (69) 789 78 - 169
Dipl.-Soz. Gerd Bender
Gerd Bender
Wissenschaftler, Europabeauftragter
Telefon: +49 (69) 789 78 - 136
Fax: +49 (69) 789 78 - 169
Margrit Seckelmann

Kontakt

Alexander Noé
Hilfskraft

Vernetzung im Forschungsprofil

Kooperationen

Forschungsprojekt | Abteilung II

Regulierte Selbstregulierung in rechtshistorischer Perspektive

Regulierte Selbstregulierung ist staatlich gesteuerte und staatlich in Dienst genommene gesellschaftliche Selbstorganisation. Über diesen Modus kollektiver Gestaltung sozialer Beziehungen werden nicht nur staatliche Gemeinwohlvorstellungen durchgesetzt, zugleich dient er auch der Entlastung privater Akteure und erlöst sie von Koordinationsproblemen, die sich nicht mit zivilgesellschaftlichen Instrumentarien lösen lassen. Jedoch steht regulierte Selbstregulierung nicht nur für ein Verhältnis beiderseitig vorteilhafter Kooperation, sondern auch für ein Spannungsverhältnis. Stets ringen Konzeptionen normativer Ordnung miteinander, die die Verteilung von Gestaltungsbefugnissen zwischen „Staat“ und „Gesellschaft“ betreffen.

Vor allem die Wissenschaft des öffentlichen Rechts hat dieses Phänomen staatlich-privater Koordination in jüngerer Zeit aufmerksam registriert und die damit verbundenen rechtlichen Probleme in Überlegungen zur Fortentwicklung der Rechtsdogmatik integriert. Jedoch ist regulierte Selbstregulierung nicht lediglich eine Gegenwartserscheinung. Mannigfaltige Formen der Verflechtung staatlicher Zwecksetzungen mit organisierten gesellschaftlichen Interessen lassen sich – auch in ihren rechtlichen Konturierungen – historisch beobachten. Hier setzt das Erkenntnisinteresse der Rechtsgeschichte an, die allerdings gerade auf diesem Themenfeld auf den Dialog mit anderen geschichtswissenschaftlichen Disziplinen, vor allem mit der Verwaltungsgeschichte, der Wirtschaftsgeschichte und der Geschichte der Sozialpolitik, angewiesen ist.

Das Projekt „Regulierte Selbstregulierung in rechtshistorischer Perspektive“ untersucht die Entwicklung dieser Phänomene im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In vier Tagungen haben Rechts-, Sozial- und Wirtschaftshistoriker sich mit verschiedenen Erscheinungsformen regulierter Selbstregulierung befasst. Die Ergebnisse wurden – neben begleitenden Aufsätzen – bisher in drei Sammelbänden dokumentiert: mit dem Schwerpunkt auf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: „Selbstregulierung im 19. Jahrhundert – zwischen Autonomie und staatlichen Steuerungsansprüchen“ (2011); mit dem Schwerpunkt auf dem letzten Drittel des 19. und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts „Regulierte Selbstregulierung im frühen Interventions- und Sozialstaat“ (2012); in einer international vergleichenden Perspektive: „Regulierter Selbstregulierung in der westlichen Welt des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ (2014). In Vorbereitung sind noch ein Sammelband zu justizieller Selbstregulierung und eine Quellenedition.

Mitten im Prenzlauer Berg erhebt sich ein mächtiges Gebäude, welches in seiner Massi­vität einprägsam den alten Staat der umfas­sen­den Daseins­vorsorge verkörpert. Bild vergrößern
Mitten im Prenzlauer Berg erhebt sich ein mächtiges Gebäude, welches in seiner Massi­vität einprägsam den alten Staat der umfas­sen­den Daseins­vorsorge verkörpert. [weniger]
<span>Errichtet wurde dieses Bauwerk, ein Wasserturm, 1877, kurz nachdem die Stadt Berlin die Wasserversorgung in die eigene Regie &uuml;bernommen hatte. Diese fand von nun an unter kommunaler Erf&uuml;llungsverantwortung statt.Die Entscheidungen &uuml;ber Tarifgestaltung und Leistungsausbau oblagen einer st&auml;dtischen Deputation.</span> Bild vergrößern
Errichtet wurde dieses Bauwerk, ein Wasserturm, 1877, kurz nachdem die Stadt Berlin die Wasserversorgung in die eigene Regie übernommen hatte. Diese fand von nun an unter kommunaler Erfüllungsverantwortung statt.Die Entscheidungen über Tarifgestaltung und Leistungsausbau oblagen einer städtischen Deputation. [weniger]
<span>Nur im Hintergrund sichtbar ist ein weiteres Geb&auml;ude, welches auf eine andere Tradition der Regulierung &ouml;ffentlicher Aufgaben verweist; schon in seiner grazilen Gestalt verk&ouml;rpert es eher den "schlanken" Staat.</span> Bild vergrößern
Nur im Hintergrund sichtbar ist ein weiteres Gebäude, welches auf eine andere Tradition der Regulierung öffentlicher Aufgaben verweist; schon in seiner grazilen Gestalt verkörpert es eher den "schlanken" Staat. [weniger]
Der im Jahr 1856 gebaute Steigrohrturm diente der von einem englischen Privatunternehmen, der "Berlin-Waterworks-Company", organisierten Wasserversorgung. Ihr war staatlicherseits das Recht zur Wasserlieferung einger&auml;umt worden. Im Gegenzug verpflichtete sie sich, die Kosten des Leitungssystems zu tragen und f&uuml;r Stra&szlig;enreinigung und Feuerbek&auml;mpfung unentgeltlich Wasser zur Verf&uuml;gung zu stellen. Die Tarife bestimmte das Unternehmen, unterlag dabei allerdings staatlicher Aufsicht. Bild vergrößern
Der im Jahr 1856 gebaute Steigrohrturm diente der von einem englischen Privatunternehmen, der "Berlin-Waterworks-Company", organisierten Wasserversorgung. Ihr war staatlicherseits das Recht zur Wasserlieferung eingeräumt worden. Im Gegenzug verpflichtete sie sich, die Kosten des Leitungssystems zu tragen und für Straßenreinigung und Feuerbekämpfung unentgeltlich Wasser zur Verfügung zu stellen. Die Tarife bestimmte das Unternehmen, unterlag dabei allerdings staatlicher Aufsicht. [weniger]
Der Steigrohrturm ist heute nur noch eine touristische Sehensw&uuml;rdigkeit. Auch der Wasserturm hat seine urspr&uuml;ngliche Funktion verloren, er beherbergt nur noch einige Wohnungen. Geblieben ist ein architektonisches Ensemble, welches die historischen Wandlungen und die verschiedenen Spielarten der Regulierung &ouml;ffentlicher Aufgaben versinnbildlicht. Bild vergrößern
Der Steigrohrturm ist heute nur noch eine touristische Sehenswürdigkeit. Auch der Wasserturm hat seine ursprüngliche Funktion verloren, er beherbergt nur noch einige Wohnungen. Geblieben ist ein architektonisches Ensemble, welches die historischen Wandlungen und die verschiedenen Spielarten der Regulierung öffentlicher Aufgaben versinnbildlicht. [weniger]
 
loading content