Projektleitung

Prof. Dr. Thomas Duve
Thomas Duve
Direktor
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Assoziierter Wissenschaftler

Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung II

Rechtswissenschaft in der Berliner Republik

Berlin ist nicht Bonn. Dem Satz kommt bis heute nicht die gleiche Evidenz wie dem berühmten Diktum Fritz René Allemanns zu, wonach Bonn nicht Weimar sei. Unstreitig sind die Veränderungen der Jahre 1989/90 nicht mit anderen bedeutsamen Zäsuren in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts zu vergleichen. Gleichwohl hat sich dieses Land durch die deutsche Wiedervereinigung fundamental gewandelt. Als nun vollständig souveräne und wirtschaftsstärkste Nation einer deutlich erweiterten und vertieften Europäischen Union ist Deutschland sukzessive in eine andere Rolle hineingewachsen. Der Begriff der Berliner Republik ist fest im politischen Sprachgebrauch und der jüngeren Zeitgeschichte verankert. Erste historische Rückblicke auf ihre Geschichte erscheinen, es werden Bestandsaufnahmen gemacht und Forschungsprogramme formuliert.

Spiegeln sich diese Veränderungen im Recht und seiner wissenschaftlichen Bearbeitung – und welche Rolle haben das Recht und seine Wissenschaft, welche Rolle haben Juristen und ihre Diskurse in diesem Prozeß eingenommen? Welches waren wichtige Themen in den juristischen Teildisziplinen? Welche Erwartungen hatte man an die Zukunft, wie haben sich diese verändert? Wie haben sich die Veränderungen der Wissenschaftslandschaft auf die Forschung ausgewirkt? Lassen sich für den Zeitraum der letzten 25 Jahre charakteristische Entwicklungen beobachten? – Diesen und verwandten Fragen sind Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler in mehreren workshops am MPIeR in den Jahren 2013 und 2014 nachgegangen. Auch ein am 15.10.2014 von Andreas Wirsching am MPIeR als erster in der neuen Reihe der Frankfurter rechtshistorische Abendgespräche gehaltene Vortrag „Die Berliner Republik in ihrem zeit- und rechtsgeschichtlichen Zusammenhang. Vorläufige Thesen und offene Fragen“ stand im Zusammenhang dieses Vorhabens, das nach einer Autorentagung im Jahr 2015 zu einer Publikation führen soll.

Ein Buchprojekt über die Rechtswissenschaft in der Berliner Republik hat einen wichtigen Vorgänger: Zu Beginn der Berliner Republik gab Dieter Simon 1994 einen viel beachteten Band zur „Rechtswissenschaft in der Bonner Republik“ heraus und zog eine wissenschaftsgeschichtliche Bilanz. Sie galt den Grundlagenfächern, aber auch ausgewählten Bereichen der juristischen Dogmatik. Der Schwerpunkt lag auf Ideen- und Wissenschaftsgeschichte, Gesetzgebung und die europäische Ebene blieben eher im Hintergrund. Simons Band zog Bilanz und betrachtete stärker vermeintlich oder tatsächlich abgeschlossene Entwicklungen einzelner Fächer. Heute, zwei Jahrzehnte später, stehen wir als Zeitzeugen der Berliner Republik mitten im historischen Geschehen, Das macht die Aufgabe besonders anspruchs- und reizvoll. Neben dem Überblick über juristische Fachgebiete und der Frage nach besonders prägenden Veränderungen der Umfeldbedingungen rechtswissenschaftlicher Forschung geht es uns darum, einige rechtswissenschaftliche Debatten, die die Berliner Republik in den letzten 25 Jahren geprägt haben, zu historisieren.

Das Projekt wurde betreut von Thomas Duve und Stefan Ruppert (bis zum 30.09.2017 assoziierter Wissenschaftler des MPIeR).#

Die Publikation des Sammelbandes Rechtswissenschaft in der Berliner Republik im Suhrkamp Verlag ist für Februar 2018 geplant.

 
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