Koordination

Prof. Dr. Caspar Ehlers
Caspar Ehlers
Gruppenleiter Rechtsgeschichte Deutscher Orden
Telefon: +49 (69) 789 78 - 163

Forschungsschwerpunkt

Rechtsräume

Rechtswissenschaftler wie Historiker sind es gewohnt, die Räume ihrer Forschung klar zu definieren. „Deutsche“ und „europäische“ Rechtsgeschichte schienen lange Zeit unproblematische Ordnungsvorstellungen. Das ist heute anders. Wir sind zunehmend aufmerksam geworden für die historische Relativität der Räume, ihre Flexibilität und Fluidität. Ein Grund liegt in der Gegenwartserfahrung der gestiegenen Mobilität, vielleicht sogar Enträumlichung der Kommunikation über Recht. Wir müssen deswegen heute mehr denn je darüber nachdenken, wie sich Rechtsräume konstituieren – historische Räume, aber auch analytische Räume des Rechts und der Rechtsgeschichte. Im Forschungsschwerpunkt Rechtsräume geht es darum, die in den intensiven kulturwissenschaftlichen Diskussionen entwickelten Raumbegriffe zu reflektieren, auf rechtshistorische Sachverhalte anzuwenden, nach ihrer analytischen Kraft zu fragen und diese zu schärfen; so wird an einem „Wörterbuch“ der Raumbegriffe gearbeitet, in das nicht zuletzt die wichtigen Ergebnisse der älteren, oft zu Unrecht vernachlässigten Forschungstraditionen eingehen. Ein besonderes Anliegen liegt darin, rechtshistorische Forschung zu unterschiedlichen Epochen – und damit auch Raumerfahrungen und Praktiken der Raumerschließung – in ein Gespräch miteinander zu bringen. Gibt es etwa vergleichbare Formen der Raumerschließung und des Aufbaus von Rechtsräumen im Kontext der karolingischen und der frühneuzeitlichen europäischen Expansion und Mission nach Amerika? Welche Rolle spielt der Grad von Technizität des Rechts bei der Translation an andere Orte und damit der Erstreckung auf weitere Räume? Was bedeutet das für unsere analytischen Kategorien? Für das Institut, das als Institut für europäische Rechtsgeschichte mit einer klaren räumlichen Vorstellung gegründet worden ist und sich nun globalhistorischen Perspektiven auf die Rechtsgeschichte Europas öffnet, ist die Reflektion darüber, wie wir die Räume unserer Forschung definieren, ein zentrales Anliegen. Imperiale, koloniale und durch viele andere Faktoren definierte Räume kreuzen, überlagern, schneiden den Raum „Europa“ und verbinden ihn mit anderen. Das bringt nicht nur viele Berührungspunkte zu den traditionell in der Rechtsvergleichung behandelten Fragen, sondern erfordert auch wichtige rechtshistorische Überlegungen zu den Faktoren, die Regionen zu einem Raum werden lassen, der als ein Rechtsraum wahrgenommen wird.

 
loading content