Zuständige Wissenschaftler

Dipl.-Soz. Gerd Bender
Gerd Bender
Wissenschaftler, Europabeauftragter
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Jani Kirov

Publikationen

Vernetzung im Forschungsprofil

Kompetenzbereich

Rechtskulturen des modernen Osteuropa

Traditionen und Transfers

abgeschlossen

Nachdem das Institut Anfang der 1990er Jahren mit dem großen, von der Europäischen Union und der VolkswagenStiftung geförderten, Forschungsprojekt "Normdurchsetzung in osteuropäischen Nachkriegsgesellschaften (1944-1989) eine verstärkte Hinwendung zur Rechtsgeschichte Osteuropas initiiert hatte, konnten diese Bemühungen mit dem "Rechtskulturen-Projekt" weiter ausgebaut werden. Mit diesem Projekt wurden bisher kaum erforschte Gebiete der modernen Rechtstraditionen osteuropäischer Länder in den Blick genommen. Im Ergebnis ist eine solide Grundlage für eine Vergewisserung über rechtskulturelle Identitäten und Differenzen von West und Ost entstanden.

Das Projekt sollte über rein rechtshistorische Erkenntnisinteressen hinaus auch wissenschaftspolitisch zur Kooperation von Ost und West beitragen. Sofern die Einbeziehung des großen und doch in einer gewissen Isolierung verharrenden rechtshistorischen Potentials Osteuropas in den gesamteuropäischen Forschungsraum gelungen ist, wäre das wichtigste wissenschaftspolitische Ziel erreicht. Aber auch der wissenschaftliche Ertrag von drei Jahren Projektarbeit ist sichtbar geworden. Wo bislang isolierte Einzelbeiträge vorherrschten, wurden Konturen eines besser strukturierten Forschungsgebiets deutlich. Die traditionelle Perspektive auf das römische Recht und das daran angeschlossene Zivilrecht wurde auf das Verfassungs- und Verwaltungsrecht mit seiner Gerichtsbarkeit erweitert, dessen Bedeutung für die Konstituierung einer modernen Gesellschaft in der Forschung bisweilen noch immer unterschätzt wird. Der Schwerpunkt "Rechtsprechung" erlaubt es, die traditionelle Dogmengeschichte durch das "lebende Recht" zu ergänzen.

Ohne den Nutzen der Rechtsgeschichte für die Rechtspolitik zu überschätzen, ist ihre Relevanz für die Beobachtung der im postkommunistischen Osteuropa laufenden Transformationsprozesse doch kaum zu übersehen. Diese Großregion ist nicht erst seit neuestem mit der okzidentalen Modernität konfrontiert. Wissenschaftlich präzisiertes und fundiertes Wissen um die historischen Grundlagen verdeutlicht, dass sich der tief greifende normative Wandel in der osteuropäischen Gegenwart zu großen Teilen im Zeichen einer Rückkehr zu der im 19. Jahrhundert inaugurierten Tradition der "Verwestlichung" vollzieht. Die Folgen für die Selbstreflexion der Großregion sind nicht gering zu schätzen.

 
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