Forschungsfeld

Rechtsgeschichte Ibero-Amerikas

Seit dem Beginn der europäischen Expansion ist die Rechtsgeschichte Ibero-Amerikas eng mit der Europas verbunden. Hatte das vor allem – teilweise katastrophale – Folgen für die ursprünglichen Bewohner in der für Europa neuen Welt, so stellte die Begegnung mit bis dahin fremden Völkern und Religionen auch die Normativitätswissenschaften aus Europa vor neue Herausforderungen. Normative Ordnungen, die im europäischen Horizont gewachsen waren, wurden nun unter anderen Bedingungen (re)produziert – und dies in Zeiten rasanter politischer, intellektueller und technischer Veränderungen. Komplexe Translations– und Ausdifferenzierungsprozesse begannen; indigene, kastilische, kirchliche Ordnungen und lokale Praktiken überlagerten einander. Nicht zuletzt für die Kirche und ihr Recht öffneten sich neue Welten. Mission war die zentrale Rechtfertigung dieser Expansion, Religion das Fundament der frühneuzeitlichen Rechtskultur. Akteure und Institutionen aus dem religiösen Feld waren maßgeblich an der Herausbildung normativer Vorstellungen in Amerika beteiligt, was nicht ohne Rückwirkung auf administrative Praktiken und normatives Denken in Europa selbst blieb – in Rom, Coimbra, Salamanca, Neapel oder Madrid.

Im Forschungsfeld Rechtsgeschichte Ibero-Amerikas werden zahlreiche Momente dieser Geschichte erforscht und Hilfsmittel erarbeitet, um diese Prozesse besser rekonstruieren zu können. Im Zentrum stehen normative Ordnungen, die von kirchlichen Institutionen und Ordnungsvorstellungen geprägt waren und deren amerikanische Geschichte bis heute praktisch nicht geschrieben ist. Es geht aber auch um weiter reichende Fragen, etwa wie Governance über weite Räume gelingen konnte, wie sich verschiedene normative Sphären zueinander verhielten, welche Ressourcenregime und Übersetzungsprozesse erkennbar werden. Das Forschungsfeld schließt bis unmittelbar in die Gegenwart hinein reichende Fragen ein, etwa danach, wie von den indigenen Gemeinschaften praktizierte und die aus Europa stammenden und von den lokalen Eliten reproduzierten Normen arrangiert wurden und wie kulturelle Diversität im Recht und durch das Recht geschützt wurde.

 

Forschungsprojekte

 

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Congreso del Instituto Internacional de Historia del Derecho Indiano 2016

XIX Congreso del Instituto Internacional de Historia del Derecho Indiano

29 de agosto – 2 de septiembre de 2016, Berlin/Alemania

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