Zuständige Wissenschaftlerin

PD Dr. Christiane U. Birr
Christiane U. Birr
Assoziierte Wissenschaftlerin - Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz
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Vernetzung im Forschungsprofil

Kompetenzbereich

Rechtsgeschichte der Schule von Salamanca

abgeschlossen

Im 16. und 17. Jahrhundert setzen sich Juristen und Theologen an den Universitäten von Salamanca, Coimbra, Alcalá de Henares und an anderen Orten der iberischen Halbinsel in intensiv geführten Diskursen mit ihren geistesgeschichtlichen Traditionen auseinander. Ihr Rechtsdenken und ihre Schriften sind von einer stetigen Begriffsfluktuation zwischen (Moral-)Theologie und Jurisprudenz geprägt. Die Migration von theologischen Begriffen in das juristische Repertoire ist dafür ebenso charakteristisch wie die juristische Aufladung bis dato theologischer Begriffe und Denkfiguren. Termini wie ius, natura, culpa, (bona/mala) fides, negligentia, restitutio, dispensatio, libertas beschreiben zentrale Konzepte sowohl der Theologen als auch der Juristen. Sie enthalten die relevanten juristischen Weichenstellungen, die es der europäischen Jurisprudenz erlauben, sich den gewandelten Aufgaben der Neuzeit zu stellen. Eine "Verrechtlichung" der Theologie führt zur Entstehung der Moraltheologie.

Dieses Projekt will den umgekehrten Weg der Begriffe verfolgen: Auf welche Weise werden theologische Begriffe und moralische Konzepte in die Rechtsfiguren des ius commune integriert und ermöglichen im neuen, juridischen Kontext, mittelalterliche Rechtsdiskurse an die gewandelten Herausforderungen eines globalisierten Reiches anzupassen? Dabei gilt das Interesse auch und gerade den Autoren, die – wie zum Beispiel Tomás de Mercado, Martín de Azpilcueta oder Jerónimo Castillo de Bobadilla – sich in ihren Schriften dezidiert praktischen Themen (Handel und Finanzen, Verwaltung usw.) zuwenden und in ihnen die universitär diskutierten moralisch-juridischen Konzepte in die kleine Münze des juristischen Alltags umsetzen. Eben dieses für die spanische Spätscholastik spezifische, in quellennahen Studien näher zu beleuchtende Spannungsfeld zwischen Theologie, Moral und Recht ist wichtiger Bestandteil der spezifisch abendländischen Begegnung von Recht und Religion.

 
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