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Prof. Dr. Thomas Duve
Thomas Duve
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Mariana Armond Dias Paes
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Assoziierter Wissenschaftler

Prof. Dr. Massimo Meccarelli
Massimo Meccarelli
Assoziierter Wissenschaftler
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Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung II

Recht und Diversität

Rechtshistorische Perspektiven

Unter dem Eindruck postkolonialer Studien und der globalen Migration ist auch in Europa die Aufmerksamkeit für die Chancen von Diversität gestiegen, deren kulturelle Folgen bis ins Lokale reichen. In vielen ehemaligen Kolonialregionen – besonders in Lateinamerika – steht die Reflexion über Diversität im Kontext von Ressourcenkonflikten, die zu tiefgreifenden politischen Veränderungen geführt haben. Nach den Verfassungsreformen der 2000er Jahre definieren sich Staaten wie Ecuador oder Bolivien als „multiethnisch“ und „plurinational“. Die völkerrechtliche Verpflichtung zum Schutz der Rechte indigener Völker hat ebenfalls zu einer verstärkten Beschäftigung mit neuen Formen der Organisation von Diversität angeregt.

Das Forschungsprojekt möchte die aktuellen Entwicklungen in lateinamerikanischen Staaten anhand von Fallstudien (Argentinien, Bolivien, Peru, Brasilien) analysieren und deren historische Dimension aufarbeiten. Es geht zunächst darum, die in rechtspolitischen Debatten und in Verfassungen vorgesehenen Maßnahmen vergleichend zu rekonstruieren. Dabei lassen sich verschiedene Strategien der Integration kultureller und ethnischer Autonomie im Rechts- und Justizsystem beobachten. Die zur Anerkennung kultureller Diversität vorgesehenen Verfahren erweisen sich häufig als problematisch und schließen andere soziale Gruppen aus – was zu Konflikten führen kann. Eine zentrale Legitimationsquelle für die Reformprojekte bilden geschichtliche Narrative, deren oft zweifelhafte Historizität zu überprüfen sein wird.

Formen des Arrangements von Diversität in Lateinamerika sollen für bestimmte Epochen von der frühen Neuzeit bis zur Moderne rechtshistorisch untersucht werden. Die juristische Anerkennung verschiedener sozialer Gruppen lässt sich seit Beginn der spanischen Herrschaft im Derecho Indiano verfolgen. Doch die Entstehung der iberoamerikanischen Nationalstaaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts führte dazu, normative Pluralität zu reduzieren. Trotz ihres Gleichheitspathos wurden die Verfassungs- und Rechtsordnungen des 19. und 20. Jahrhunderts über strukturell ungleichen Gesellschaften errichtet. Auch der korporative Konstitutionalismus des frühen 20. Jahrhunderts schloss die Kluft zwischen Rechts- und Sozialordnung nicht. Wie sich der zur gleichen Zeit kultivierte Indigenismus auf das Recht auswirkte, ist bisher unzulänglich erforscht.

Für die Durchführung des rechtshistorisch ausgerichteten, interdisziplinär offenen Forschungsvorhabens sind drei in Argentinien, Brasilien und Peru angesiedelte Arbeitsgruppen etabliert worden. Dadurch soll eine auf regionaler Kenntnis gründende vergleichende Analyse ermöglicht werden, deren Ergebnisse in die globale Debatte um „Diversität und Recht“ gestellt werden. Von besonderem Wert dürften Treffen mit den am Legal Studies Network der Max-Planck-Gesellschaft beteiligten Instituten und Abteilungen sein. Im Blick auf Europa und seine multiethnischen und multireligiösen Gesellschaften könnte gefragt werden, wie unser Recht mit kultureller Vielfalt und ihrem Schutz umgeht; wie in europäischen Ländern Kategorien der Differenz gebildet werden; wie sich Diversität auf Ebene der normativen Ordnungen und Entscheidungssysteme ausdrücken könnte.

Wer in Europa über die Transformation unseres Rechts- und Justizsystems angesichts der Herausforderung der Diversität nachdenkt, dürfte die Reformen in Lateinamerika mit Interesse verfolgen. Europäische Erfahrungen wiederum sollen in einen fruchtbaren Austausch mit den reichen analytischen Traditionen des Nachdenkens über Diversität treten, die etwa in Mexiko, Kolumbien, dem Andenraum und Brasilien gepflegt werden. Nicht zuletzt wird es also auch um die Frage gehen, ob europäische Vorschläge für andere Globalregionen in dieser Hinsicht wieder interessant werden könnten.

Erste Publikationen zur Vorbereitung des Projekts

1.
Thomas Duve, "Die Justiz vor den Herausforderungen der kulturellen Diversität - rechtshistorische Annäherungen: Einführung in die Ringvorlesung des LOEWE- Schwerpunkts "Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung" WS 2013/2014, FB 01 Rechtswissenschaft der Goethe-Universität", in LOEWE-Schwerpunkt "Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung": Arbeitspapier = LOEWE research focus "Extrajudicial and judicial conflict resolution": working paper, (2013), Vol. 7.
2.
Thomas Duve/Massimo Meccarelli (Hrsg.)
“Debatte: Rights, Justice, Cultural Diversity: Dynamics of Legal Protection in Times of Transition. European and Brasilian Perspectives”, Sektion
 
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