Leitung

Prof. Dr. Karl Härter
Karl Härter
Wissenschaftler
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Weitere beteiligte Bearbeiter/innen

Tina Hannappel
Jean Conrad Tyrichter
Thomas Walter

Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung II

Reaktionen der Rechtssysteme auf politische Verbrechen und "Terrorismus" in Europa

<strong>Titelkupfer:</strong> Warhafftige und ausf&uuml;hrliche Relation, Wie die Ungarischen Rebellen Zu Wien in Oesterreich/ Als auch Zur Wienischen Neu-Stadt Und zu Pre&szlig;burg Am 30. Aprilis Anno 1671. Zur verdienten Straffe gezogen worden. Bild vergrößern
Titelkupfer: Warhafftige und ausführliche Relation, Wie die Ungarischen Rebellen Zu Wien in Oesterreich/ Als auch Zur Wienischen Neu-Stadt Und zu Preßburg Am 30. Aprilis Anno 1671. Zur verdienten Straffe gezogen worden. [weniger]

Das Forschungsprojekt untersucht europäisch-vergleichend die Reaktionen von Rechtssystemen auf Konflikte, die als politische Verbrechen wahrgenommen oder etikettiert wurden. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Problem der „Sicherheit“, die zu einem wesentlichen handlungsleitenden Konzept avancierte und zur Etablierung spezifischer Strafrechts- und Sicherheitsregime insbesondere im Bereich grenzübergreifender politischer Kriminalität führte. Analysiert werden Revolten, Attentate und andere Formen politischer Gewalt und Dissidenz, wobei sich das Forschungsinteresse weniger auf die konkrete Phänomenologie, sondern die auf die rechtliche, polizeiliche und mediale Bearbeitung, Deutung und Regulierung richtet. Dabei kann eine Vielzahl obrigkeitlicher Reaktionen bzw. der Rechtssysteme von gewaltsamer Repression, Vergeltung und Strafe über Gnade und Vermittlung bis hin zu langfristigen, polizeilich-präventiven Strategien und neuen juridischen Konzepten, Normen und Gesetzen. Einen zentralen Ausgangspunkt bildet die Frage, ob politische Gewalt und der moderne „Terrorismus“ eine bis in die Frühe Neuzeit zurückreichende Geschichte haben und ob sich historisch vergleichbare Muster rechtlicher und sicherheitspolitischer Reaktionen feststellen lassen. Nachgegangen wird daher dem seit dem Mittelalter einsetzenden und sich in der Sattelzeit 1750-1850 intensivierenden Wandel der juridisch-normativen Konzepte politischer Kriminalität, der präventiven wie punitiven obrigkeitlichen Praktiken und der begleitenden rechtlich-politischen Kriminalitäts- und Sicherheitsdiskurse unter Einbeziehung populärer Medien wie illustrierten Einblattdrucken, Flugschriften und „Aktensammlungen“.

Einen thematischen Schwerpunkt bilden gewaltsame politische Konflikte wie z. B. Revolten und die Wechselwirkungen im Hinblick auf politische Verbrechen, die Rechtsentwicklung sowie rechtlich-politische und populären Diskurse. So untersucht das Dissertationsvorhaben von Thomas Walter, die rechtlichen Reaktionen auf Revolten im Zeitalter der Französischen Revolution am Beispiel des durch seine Intensität hervorstechenden sächsischen Bauernaufstandes von 1790. Im Kontext dieser Forschungsaktivitäten werden ebenfalls Formen der Konfliktregulierung und der rechtlichen Reaktionen auf gewaltsame politische Konflikte transatlantisch vergleichend für Ibero-Amerika und Westeuropa im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert untersucht.

Publikationen

1.
Karl Härter (ed) and Beatrice de Graaf (ed), "Vom Majestätsverbrechen zum Terrorismus. Politische Kriminalität, Recht, Justiz und Polizei zwischen Früher Neuzeit und 20. Jahrhundert", in Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, (2012), Vol. 268, pp. VI, 424.
2.
Karl Härter (ed) and Angela De Benedictis (ed), "Revolten und politische Verbrechen zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert. Rechtliche Reaktionen und juristisch-politische Diskurse = Revolts and Political Crime from the 12th to the 19th Century. Legal Responses and Juridical-Political Discourses", in Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, (2013), Vol. 285, pp. X, 477.
3.
Thomas Walter, "Punishing Rebels, Ringleaders and Followers. Punitive Responses to the Saxon Peasant Uprising of 1790", in Revolten und politische Verbrechen zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert. Rechtliche Reaktionen und juristisch-politische Diskurse, edited by Karl Härter and Angela De Benedictis (Klostermann, Frankfurt am Main, 2013), pp. 415-446.
4.
Karl Härter, "Early Modern Revolts as Political Crimes in the Popular Media of Illustrated Broadsheets", in From Mutual Observation to Propaganda War. Premodern Revolts in Their Transnational Representations, edited by Malte Griesse (Transcript, Bielefeld, 2014), pp. 309-350.
5.
Karl Härter, "Political crime in early modern Europe: Assassination, legal responses and popular print media," European journal of criminology: the journal of the European Society of Criminology 11, 142-168 (2014).
6.
Karl Härter, Tina Hannappel, Jean Conrad Tyrichter, and Thomas Walter, "Terrorismus für die Rechtsgeschichte? Neuerscheinungen zur Geschichte politischer Gewalt im 19. und 20. Jahrhundert", in Rechtsgeschichte - Legal History Rg, (2014), Vol. 22, pp. 374-385.

Tagungen

Workshop ”Violent political conflicts and legal responses: a transatlantic perspective (18th to early 19th century)“

Beginn: 21. Okt. 2015
Ende: 23. Okt. 2015
Gastgeber und Ort: Vortragssaal des MPIeR (Frankfurt a.M.)

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