Forschungsfeld

Privatrechtsgeschichte

Die Erforschung der Privatrechtsgeschichte hat in Frankfurt eine lange Tradition. Für unseren Gründungsdirektor Helmut Coing stellte sie die Kernaufgabe des Instituts dar, denn für ihn war die Geschichte des Privatrechts die „unmittelbare Grundlage der geltenden Privatrechtsordnung“. Das erste große Publikationsvorhaben des Instituts war daher auch das mehrbändige Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte. Schon hier wurde insbesondere das 19. Jahrhundert nicht nur als eine Zeit der Vereinheitlichung, der Systematisierung und Verwissenschaftlichung des Rechts dargestellt, sondern es wurde ebenfalls betont, dass in dieser Epoche neuere Formen rechtlicher Pluralität entstanden.

Spätere Institutsprojekte verstärkten diese Perspektive. Sie untersuchten etwa, wie die großen Zivilrechtskodifikationen von richterlicher Rechtsfortbildung überlagert wurden oder sich während der industriellen Revolution zahlreiche Normierungsphänomene herausbildeten, die sich nicht mit traditionellen rechtlichen Kategorien erfassen ließen.

Heute greift die Erforschung der modernen Privatrechtsgeschichte am Institut noch weiter aus. Sie erfolgt im engen Dialog mit der Sozial-, Wirtschafts- und Politikgeschichte. Außerdem beschränkt sich die „europäische“ Privatrechtsgeschichte nicht mehr auf die kontinentaleuropäische Rechtstradition, sondern schließt selbstverständlich die Geschichte des common law mit ein. Sie analysiert zunehmend Rechtsentwicklungen in Ostasien, Lateinamerika und den Ländern des Commonwealth, die zwar eng mit der Rechtsgeschichte Europas verwoben sind, aber diese doch überschreiten und in den Zusammenhang der Globalgeschichte gestellt werden.

 

Forschungsprojekte

 
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