Projektleitung

Dr. Benedetta Albani
Benedetta Albani
Leiterin der Max-Planck-Forschungsgruppe

Telefon: +49 (69) 789 78 - 158
Fax: +49 (69) 789 78 - 169

Externe Projektmitarbeiter

Giovanni Pizzorusso

Università “G. d’Annunzio”, Chieti-Pescara

Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Max-Planck-Forschungsgruppe

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Ein neuer Blick auf das Patronato Regio

Die römische Kurie und die Regierung der Ibero-Amerikanischen Kirche in der Frühen Neuzeit

Die Rolle des Papsttums in der Geschichte der ibero-amerikanischen Kirche kann durch eine erneute Betrachtung der Bedeutung des Patronatsrechts mit Blick auf das Verhältnis von Staat und Kirche in Amerika besser verstanden werden. Die Historiographie hat nur im begrenzten Rahmen die römische Rolle innerhalb des Patronatsrechts erfasst, der Krone eine nahezu vollständige Jurisdiktion in religiösen Materien zugeschrieben, beginnend mit der Gewährung der päpstlichen Bullen zu Beginn des 16. Jahrhunderts, das den Königen die Organisation der Kirche und die Missionsinitiativen in der neuen spanischen Welt überträgt. Gewöhnlich wird berücksichtigt, dass die Organisation der Kirche und des religiösen Lebens in den weiten und vielgestaltigen amerikanischen Territorien, auch wenn es Charaktereigenschaften zeitgenössischer Prozesse der europäischen Konfessionalisierung aufweist, in der Regel auch ohne die Beteiligung päpstlicher Gerichtsbarkeit am Prozess, womöglich ferner ohne ihre Kenntnis. Es ist ferner notwendig hervorzuheben, dass dieses Thema von der Historiographie aufgrund einer gewissen Inflexibilität im interpretativen Rahmen nur in einer partialen Form vorliegt, da sie bisher nicht durch die Suche nach neuen Quellen und neuen Interpretationen angeregt war.

Kürzlich hat eine kleine Gruppe von erfahrenen Forscher in der Geschichte des Papsttums und der römischen Kurie mit neuem Interesse für die Beziehungen zwischen dem Apostolischen Stuhl und Amerika die grundsätzliche Frage zu beantworten gesucht, ob das errichtete System der Regierung für das Patronatsrecht das gesamte Spektrum der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der ibero-amerikanischen Kirche abgedeckt hat, oder ob es vielmehr jurisdiktionelle Ebenen existieren, bei denen die römische Intervention eine direkte und nicht von den patronalen Vereinbarungen konditioniert war. Sich mit dieser Frage zu beschäftigen erlaubt es einige Positionen der Historiographie in Betrachtung zu ziehen, die im Lichte einer sorgfältigen Analyse der päpstlichen Quellen, heute nur unvollständig zu sein scheinen.

Einige problematische Punkte werden unter anderem mit besonderer Aufmerksamkeit im Rahmen des Forschungsprojektes betrachtet. Die Momente, in denen die Päpste den Stand der Dinge zur Diskussion zu stellen versuchten, wie zum Beispiel anlässlich der Kontroverse über die Einrichtung einer nunziatura indiana (16. Jahrhundert) oder die Gründung der Kongregation de Propaganda Fide zu Beginn des 17. Jahrhunderts, wurden immer als außergewöhnliche Umstände betrachtet anstatt als Faktoren der Intensivierung einer dauerhaften Beziehung, die ohne Zweifel von Konfliktelementen charakterisiert wurden, aber auch als eine Folge von Aufgaben- und Kompetenzverteilungen. Zweitens scheint es, dass das Recht zur Kontrolle und Zurückhaltung der päpstlichen Dokumente, die nach Amerika zur Überprüfung geschickt wurden, bisher von der Historiographie nur unter einer anti-römischen Facette und als Instrument der Bestätigung der Krone in Betracht gezogen worden. Auf diese Weise erscheint es letztendlich als ein äußerst wichtiges historisches Ziel den Inhalt der eigenen römischen Dispositionen und die rechtlichen Folgen, die sie für die amerikanische Kirche gehabt haben, aufzuzeigen. Schließlich ist es notwendig sich daran zu erinnern, dass die rhetorische Verwendung der Figur des Patronats als unüberwindliche Barriere zwischen den beiden Welten nicht nur von der spanischen Krone geführt wurde, sondern auch vom Heiligen Stuhl, dies als ein polemisches Argument einer Rückforderung seines Rechts einer Intervention in Amerika. Dieses Übergewicht  rhetorischer Argumentation hat sich mit Konsequenz dahingegen gehalten, dass sich das Bild von Ibero-Amerika in der römischen Kurie für lange Zeit umgeändert gehalten hat, das heißt keine Aktualisierung erfahren hat und an eine anti-spanische Orientierung gebunden war.

Die Forschung über das Patronatsrecht hat sich traditionell auf eine kleine Anzahl von allgemeinen Dokumenten gestützt, wie auf die Sammlungen von päpstlichen Dokumenten über Indien, und die sehr oft nicht in seiner Originalfassung konsultiert wurden. Es erscheint im Gegenteil notwendig, diese Dokumente, die die römische juridische Praxis der amerikanischen Kirche und die Informationstätigkeit des Heiligen Stuhls bezüglich Indien attestieren, verstärkt zu beachten. Nach dem Konzil von Trient und der Reform unter Papst Sixtus V. im Jahre 1588 basierte das System der päpstlichen Regierung in erster Linie auf den ständigen Kardinalskongregationen und der Nuntiaturen. In den Archiven dieser Dikasterien begegnet man zahlreichen Dokumenten bezüglich Amerika, die bisher nur geringfügig von der Historiographie berücksichtigt wurden. Beispiele konkreter Fälle bilden die dokumentarische Grundlage, auf denen sich die theoretischen Ergebnisse des Projekts stützen. Es ist wichtig hervorzuheben, dass einige dieser Beweise nicht unbekannt sind. Dessen ungeachtet wurden diese immer als Sonderfälle vorgestellt ohne den systematischen Charakter des Austauschs von Informationen zwischen Rom und Indien und die römischen Interventionen in den amerikanischen Angelegenheiten, speziell in jenen ordinärer Fragen des kanonischen Rechts, darzulegen. Diese manifestieren sich vor allem in den eingereichten Suppliken von Laien, Gläubigen, Missionaren oder amerikanischen Bischöfen, um von den römischen Dikasterien Dispensen, Lizenzen, Fakultäten, Indulte zu erhalten. Die Suppliken attestieren demnach eine unauflösliche und eine immer lebendige Beziehung der Pfarrgemeinden und dem Apostolischen Stuhl.

Das Projekt zielt darauf ab, neue Elemente zum Verständnis der komplexen Beziehung zwischen dem Apostolischen Stuhl und der spanischen Krone in Bezug auf die Beziehung der Entwicklung der ibero-amerikanischen Kirche zu schaffen. Der „neue Blick“ auf das Patronato Regio, die das Projekt vorschlägt, ist das Ergebnis einer langen Zusammenarbeit von Mitgliedern des Projektes, basierend auf umfangreichen Recherchen in verschiedenen päpstlichen Archiven. Das Projekt hat nicht den Anspruch die weite historiographische Tradition zu ersetzen, sondern ermöglicht vielmehr eine komplementäre Perspektive, die die Diskussion bereichern kann, und bietet fundamentale Ergebnisse für das Verständnis der komplexen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Amerika in der Frühen Neuzeit, deren Einflüsse bis heute sichtbar sind.


Bild: José de la Mota, Alegoría del Nuevo Mundo. Cristo entregando al mundo al emperador Carlos V y al Papa, 1721

Vorträge

Benedetta Albani

„Die Römische Kurie und die Neue Welt im 16. Jahrhundert“
Die Zeit der Reformation aus anderem Blickwinckel. Eine lateinamerikanish-ökumenisch Perspektive
Magdeburg, Roncalli Haus, 30 Juni – 2 Juli 2017


Constanza López Lamerain

“Instaurando la Iglesia al fin del mundo: Los obispos de Chile y el real patronato (1561-1630)”
International Conference Una nueva mirada sobre el Patronato Regio: la Curia Romana y el gobierno de la Iglesia Ibero-Americana en la edad moderna
Frankfurt, MPIeR, 15-16 Dezember 2016


Giovanni Pizzorusso

“La Congregazione de Propaganda Fide e l’America spagnola: le missioni come interstizio per una penetrazione nel Patronato?”
International Conference Una nueva mirada sobre el Patronato Regio: la Curia Romana y el gobierno de la Iglesia Ibero-Americana en la edad moderna
Frankfurt, MPIeR, 15-16 Dezember 2016


Benedetta Albani

“Las congregaciones cardenalicias y el gobierno de la Iglesia Ibero-Americana”
International Conference Una nueva mirada sobre el Patronato Regio: la Curia Romana y el gobierno de la Iglesia Ibero-Americana en la edad moderna
Frankfurt, MPIeR, 15-16 Dezember 2016


Constanza López Lamerain

“Las Relationes dioecesium de los obispos chilenos en el siglo XVII: presentando los desafíos del gobierno diocesano anta la Santa Sede”
Seminario internacional La visita episcopal en la América hispánica: gobierno de la diócesis y ejercicio de la justicia entre Roma y Madrid
Vitoria, Universidad del País Vasco, 12-13 Dezember 2016


Benedetta Albani

“Las visitas ad Limina de las diócesis americanas como elemento del sistema de comunicación y gobierno entre la Sede Apostólica y el Nuevo Mundo”
Seminario internacional La visita episcopal en la América hispánica: gobierno de la diócesis y ejercicio de la justicia entre Roma y Madrid
Vitoria, Universidad del País Vasco, 12-13 Dezember 2016


Benedetta Albani und Giovanni Pizzorusso

“Regimes of knowledge and the Roman Curia”
Research Colloquium Wintersemester 2016-2017 Knowledge and information regimes in early modern times
Frankfurt, MPIeR, 29 November 2016


Benedetta Albani und Giovanni Pizzorusso

“Una nueva mirada sobre el Patronato Regio: la Curia Romana y el gobierno de la Iglesia Ibero-Americana en la Edad Moderna”
XIX Congreso del Instituto Internacional de Historia del Derecho Indiano
Berlin, Harnack Haus, 29 August – 2 September 2016


Benedetta Albani

“¿Para qué tenemos papa en Roma, si no para que a él acudan todos? Le congregazioni di diritto comune e le chiese locali americane: il ruolo della Congregazione del Concilio”
International Seminar La Congregazione de Propaganda Fide e la Spagna nel secolo XVII
Rome, Escuela Española de Historia y Arqueología, 23 Juni 2016


Giovanni Pizzorusso

“La Congregazione de Propaganda Fide e l'impero coloniale spagnolo tra spazio missionario e spazio tridentino”
International Seminar La Congregazione de Propaganda Fide e la Spagna nel secolo XVII
Rome, Escuela Española de Historia y Arqueología, 23 Juni 2016


Benedetta Albani and Giovanni Pizzorusso

“Una nueva mirada sobre el Patronato Regio. La Curia Romana y el gobierno de la Iglesia Ibero-Americana en la Edad Moderna”
Research Colloquium Sommersemester 2016
Frankfurt, MPIeR, 26 April 2016


Benedetta Albani

“Appointment of Bishops in the Ibero-American World as a Governance Tool Between the Spanish Crown and the Holy See”
Becoming a Bishop – Diachronic Perspectives
Mainz, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, 16-17 März 2016


Benedetta Albani

“Gobernar la Iglesia después del Concilio de Trento: la Sede Apostólica, la Congregación del Concilio e Hispanoamérica. Nuevas perspectivas de investigación desde los archivos vaticanos”
Primer encuentro internacional Seminario de Historia judicial y de la justicia en la Hispanoamérica virreinal
Mexico City, Instituto de Investigaciones Históricas, UNAM, 20-21 August 2015

Veranstaltungen

International Conference “Una nueva mirada sobre el Patronato Regio: la Curia Romana y el gobierno de la Iglesia Ibero-Americana en la edad moderna”
Wissenschaftliche Organisation: Benedetta Albani and Giovanni Pizzorusso
Frankfurt, MPIeR, 15-16 Dezember 2016

 
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