Zuständiger Wissenschaftler

Prof. Dr. Thomas Duve
Thomas Duve
Direktor
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Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung II

Moral, Recht, Kirchenrecht

Ökonomien des Normativen im frühneuzeitlichen Hispanoamerika

Es ist bekannt, dass sich die frühneuzeitliche Rechtsgeschichte Hispanoamerikas nur aus dem Zusammenspiel verschiedener normativer Sphären verstehen lässt, die der moderne Beobachter meist trennt: Weltliches Recht, kirchliches Recht, die normativen Gebote der Moral(theologie), hinzu kommt der weite und nur schwer von diesen Normen zu unterscheidende Bereich der Konventionen. Es war eine Welt, die sich nur aus ihrer ‚Multinormativität‘ begreifen lässt.

Doch wie lässt sich das Zusammenspiel der verschiedenen normativen Sphären besser verstehen? Die frühneuzeitliche Jurisdiktionskultur und die rechtskulturelle Praktik, unterschiedliche Autoritäten gegeneinander abzuwägen, trugen dazu bei, dass sich weltliche Akteure vielleicht einmal auf weltliches und auf kirchliches Recht oder auf Gebote der Moral, kirchliche Institutionen wiederum auf weltliches Recht oder anderes beriefen. Gerichtsstand und Rechtswahl, um es in moderner Terminologie zu fassen, waren nicht notwendigerweise miteinander verbunden. Auch die Konventionen, die das Handeln der Akteure beeinflussten, mögen in unterschiedlichen epistemic communities jeweils anders sein.

Vielleicht ist deswegen ein anderer Zugang als der über die Unterscheidung von Institutionen und normativen Sphären hilfreich. Geht man davon aus, dass Individuen und Gesellschaften ein Bedürfnis haben, normative Grundlagen des Zusammenlebens zu etablieren, so liegt die Frage danach nahe, wie dieses Bedürfnis befriedigt wird. Welche Ressourcen standen zur Verfügung, welche nicht? Lässt sich eine Mobilisierung von bestimmten Ressourcen beobachten, weil andere als zu schwach erschienen? - Diese unter dem Begriff der ‚Ökonomie des Normativen‘ zusammengefassten Überlegungen sind Teil des größeren Projekts ‚das Wissen der Pragmatici‘.

 
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