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Vernetzung im Forschungsprofil

Kompetenzbereich

LOEWE-Schwerpunkt "Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung"

abgeschlossen

Zum 01. Januar 2012 wurde in Frankfurt am Main der neue LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ eingerichtet. Sprecher des Schwerpunkts waren im Jahr 2012 Thomas Duve, 2013 Albrecht Cordes (GU), 2014 Guido Pfeifer (GU). Der Schwerpunkt war im Sommer 2011 im Rahmen der vierten Förderstaffel der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich- ökonomischer Exzellenz (LOEWE) für einen Förderzeitraum von drei Jahren bewilligt worden. Nach erfolgreicher Evaluierung im Jahr 2014 ist das Vorhaben abgeschlossen. Einzelne Aktivitäten des Schwerpunkts werden im Jahr 2015 im Rahmen einer Auslauffinanzierung zu Ende geführt.

Der Schwerpunkt ist eine gemeinsame Forschungsaktivität von 17 Wissenschaftler/- innen des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte (MPIeR), der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Fachhochschule Frankfurt am Main – University of Applied Sciences. Assoziierter Partner ist die Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e.V. (Wetzlar). Die Mehrzahl der beteiligten Forscher entstammt der Rechtswissenschaft. Daneben sind die Geschichtswissenschaft und die Sinologie durch namhafte Fachvertreter repräsentiert. Komplettiert wurden die Forschungen des LOEWE-Schwerpunkts durch ein internationales Fellowship und ein ambitioniertes Nachwuchsförderungsprogramm für Postdoktoranden/-innen sowie Doktoranden/-innen einschließlich einer Nachwuchsgruppe. Die von Wim Decock geleitete Nachwuchsgruppe war am MPI angesiedelt und in dessen thematisches Repertoire integriert.

Das zentrale Anliegen des Verbundvorhabens war die Analyse von Konflikten, Konfliktaustragung und Konfliktlösung in komparativer, interkultureller wie diachroner Perspektive. Ziel war es, Modelle, Typen und Modi von Konflikten und Konfliktlösung zu bilanzieren und in solcher Form die Grundlage für eine historisch- empirisch fundierte Theoriebildung zu schaffen. Das MPI hat sich am Schwerpunkt mit mehreren Teilprojekten beteiligt.

Von Anfang an hat sich der Schwerpunkt auch der Aufgabe des Wissenstransfers gestellt und den Dialog mit einer Jurisprudenz jenseits der juristischen Grundlagenforschung forciert. Das im Schwerpunkt erzeugte Wissen sollte nicht exklusives Gut dieser Grundlagenforschung bleiben. Über einen Expertenrat, gebildet aus Praktikern der außergerichtlichen und gerichtlichen Konfliktlösung, haben die Wissenschaftler/-innen des Schwerpunkts ihre Ergebnisse mit solchen Akteuren erörtert, die an der Gestaltung von Entscheidungssystemen mitwirken, aber auch alltäglich mit Verfahren der Konfliktlösung befasst sind. Hier wurde ein für die Geistes- und Kulturwissenschaften noch immer recht neuartiges Instrument des akademisch-politisch-gesellschaftlichen Dialogs erprobt.

Als Nachhaltigkeitsperspektive wurden im Rahmen des Schwerpunkts nach intensiven Beratungen neben einigen individuellen Vorhaben zwei Folgeprojekte konzeptualisiert: ein groß angelegtes Handbuch der Konfliktlösung (Leitung David v. Mayenburg, Goethe-Universität) sowie ein Antrag für einen Frankfurter Sonderforschungsbereich zur Evolution des juristischen Entscheidungssytems (Leitung Albrecht Cordes, Thomas Duve, Indra Spiecker gen. Döhmann).Das Konzeptpapier wurde nach einer intensiven Arbeitsphase im Februar 2015 der DFG 93 zur Evaluation übermittelt. Das MPI hat sich an der Konzeptualisierung intensiv beteiligt. Aus den Reihen des Instituts sind mehrere Teilprojekte im Konzeptpapier vertreten.

Das MPIeR war am Schwerpunkt mit mehreren Teilprojekten beteiligt:

  • Rechtsschutz im hellenistischen Ägypten (Nadine Grotkamp, anfänglich MPI, dann Universität Frankfurt a. M.)
  • Rügebräuche und Recht – Konfliktaustrag im Spannungsfeld zwischen sozialen und rechtlichen Verfahren in Rom (Anna Margarete Seelentag)
  • Konfliktlösung durch kirchliche Autoritäten in der Neuen Welt im 16. Jahrhundert (Thomas Duve)
  • Staatlich-private Interessenaustarierung durch Schiedsinstitutionen im Deutschland des Kaiserreichs und der Weimarer Republik (Peter Collin)
  • Konfliktlösung im Völkerrecht (Milos Vec, anfänglich MPI, dann Universität Wien)
  • Nachwuchsgruppe Kanonistik und Moraltheologie in der frühen Neuzeit (Wim Decock / Paolo Astorri / David Harbecke / Oscar Hernandez / Osvaldo Moutin / Rafael Van Damme)
 
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