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Alexandra Woods
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Vernetzung im Forschungsprofil

Promotionsprojekt | Abteilung II

Die Lokalisierung von Normen im Material

Mein Forschungsprojekt schaut von einer materiellen Perspektive aus, auf die Produktion von Rechtsnormen am Kap der Guten Hoffnung im 18. und 19. Jahrhundert. Konkret zielt das Projekt darauf ab zu verstehen, wie sich die Praxis der Berichterstattung über die Rechtsprechung bildete und die englische ‚doctrine of precedent’ in ein lokalisiertes römisch-niederländisches Rechtssystem eingeführt wurde; Wie sich dies von den materialisierenden Praktiken vor der Ankunft der Briten im Jahr 1795 unterschied und wie solch eine materielle Perspektive auf die Produktion von Normen als Beispiel der rechtshistorischen Epistemologie, uns Einblicke in die Auswirkungen digitaler Medien auf das Recht geben könnte.

Das hybride Rechtssystem Südafrikas dient als historisch interessante Fallstudie. Die Niederländische Ostindien-Kompanie gründete 1652 einen Handelsposten am Kap. 1795 wurde das Kap an die Briten abgetreten. Nachdem das Kap an die Holländer zurückgegeben wurde, besetzten die Briten es 1805 wieder. Diese Ereignisse führten jedoch nicht dazu, dass die römisch-niederländische Rechtsordnung durch das englische Common Law ersetzt wurde. Gleichwohl war die Intention offensichtlich, britische Rechtsgewohnheiten und –prozesse einzuführen. Im Jahr 1827 verabschiedeten die Briten die ‚First Charter of Justice‘ zur Schaffung einer professionellen Justiz und 1828 wurde der ‚Supreme Court der Kolonie am Kap der Guten Hoffnung‘ gegründet. Die Betrachtung der frühen Phasen der Publikation von Gerichtsentscheidungen des ‚Supreme Court‘ ist der Ausgangspunkt, von dem aus ich versuche, zumindest einen Aspekt dieses Anglisierungsprozesses zu erklären.

Diesem Punkt der Untersuchung liegt eine Hypothese zugrunde: Neue Medien oder Technologien beeinflussen mehr oder weniger stark die Art und Weise, wie Menschen ihre Arbeit verrichten. Diese Änderung in der Praxis führt zu einem neuen oder neu definierten Verständnis dieser Arbeit. Dies beinhaltet einen selbstreflexiven Prozess der Praxis und ihr Verständnis (oder, Praxis und Norm). So war beispielsweise die schrittweise Einführung der Publikation von Gerichtsentscheidungen selbst konstitutiv für die Praxis, sich auf frühere Entscheidungen zu stützen, ebenso wie der Prozess der Schaffung einer gewohnheitsrechlichen Norm des gerichtlichen Präzedenzfalls die Publikation von Fällen vorantrieb. So betraf die Publikation von Gerichtsentscheidungen sowohl die Rechtspraxis als auch die Anwälte, die diese Praktiken bereits als Teil des umfassenderen Rechtsrahmens verstanden haben (was sie zwang, die Praxis zu wiederholen). Auf diese Weise könnte ein lokalisiertes Rechtssystem, das aus der kontinentalen ius commune entstand, zunehmend und effektiv anglisiert werden.

Ein möglicher Weg, diesen Prozess und insbesondere die Verbindung zwischen Praxis und Norm zu verstehen, besteht darin, sich auf die materiellen Aspekte der neuen Medien zu konzentrieren, die überhaupt zu unterschiedlichen Praktiken anregen. So wird sich meine Forschung mit Fragen befassen, wie die Publikation von Gerichtsentscheidungen des ‚Supreme Courts‘ zirkulierten, sich verbreiteten und wer Zugang zu ihnen hatte; wie haben sie die Informationen, die sie vermitteln sollten, dargestellt, modifiziert oder übersetzt; was ist das Verhältnis zwischen den Medien und ihren Zeichen (oder dem Werk und dem Text, um an Barthes zu erinnern); welche Bedingungen haben die materielle Form und ihre Bedeutung festgelegt? Darüber hinaus soll ein Vergleich mit der Rechtspraxis am Kap vor 1795 zeigen, wie sich die Prozesse zur Lokalisierung des römisch-niederländischen Rechts von denen der Briten unterschieden. Solche Fragen tragen dazu bei, die Bedingungen der Normproduktion aus einer historischen Perspektive zu verstehen. Möglicherweise kann es uns auch Aufschluss darüber geben, wie die Medienrevolution von heute zu Neuinterpretationen oder neuen Erklärungen des Rechts und seiner Funktionen führen könnte.

 
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