Koordination

Dr. Helen McKee
Helen McKee
Wissenschaftlerin
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Forschungsschwerpunkt

Konfliktregulierung

Der Konflikt ist nicht nur eine ständige Herausforderung für das Recht, sondern auch ein zentraler Zugang zu seiner Geschichte. Denn in ihm werden die normativen Optionen sichtbar, die von den Konfliktbeteiligten realisiert wurden. Über den Konflikt können sich lokale Bedingtheiten, Traditionen, aber auch die pragmatischen Kontexte und maßgeblichen Autoritäten des Rechts, das lebende Recht, erschließen. Er kann uns damit auf eine besondere Weise zu den normativen Grundlagen einer Gesellschaft – also zu den spezifischen Rechtsquellen (Gesetzen, Gewohnheiten etc.) – führen, die lange Zeit den fast ausschließlichen Gegenstand rechtshistorischer Forschung bildeten. Die Art der Konfliktregulierung einer Gesellschaft ist heute mehr denn je ein eigenständig wichtiger Forschungsgegenstand. Denn jede Gesellschaft bildet ihr eigenes set an Möglichkeiten der Konfliktregulierung aus. Deren Gestalt ist kontingent, aber nicht zufällig. Ähnlich wie im Forschungsschwerpunkt Multinormativität ist dabei von der Beobachtung auszugehen, dass die staatliche Justiz heute immer öfter nur noch als eine Option in einem weiten und vielfältigen Feld von Verfahren der Konfliktregulierung wahrgenommen wird. So wie heute von „Rechtspluralismus“ gesprochen wird, wird auch die Formel vom „justiziellen Pluralismus“ benutzt; beide sind unmittelbar aufeinander bezogen. Die Vielfalt reicht von unterschiedlichen Formen der Streitschlichtung und Mediation bis zu den klassischen juridischen Verfahrensweisen wie Entscheiden und Strafen auf lokaler oder globaler Ebene. Die Rechtsgeschichte kennt diese Diversität von Konfliktregulierungsverfahren sehr gut. Sie ist geradezu der historische Normalfall. Das Verhältnis der kirchlichen und staatlichen Justizsysteme, komplexe Mechanismen der Konfliktregulierung in imperialen Strukturen mit ihren einander überlagernden Jurisdiktionen, Strafrecht, Strafverfolgung, aber auch Verfahrensrecht, die Bedeutung kultureller Diversität für die Justiz oder die Freiräume regulierter Selbstregulierung in Zeiten der Etablierung des Justizmonopols werden in vielen Forschungsprojekten am Institut behandelt. Der Forschungsschwerpunkt Konfliktregulierung soll dabei helfen, die am Institut vorhandene historische und rechtshistorische Expertise mit Theorien und Modellen der Kultur-, Rechts- und Sozialwissenschaften in Verbindung zu bringen – und zugleich nach den Chancen zu fragen, die sich für die Rechtsgeschichte ergeben, wenn sie aus der Perspektive des Konflikts geschrieben wird.

 
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