Forschungsfeld

Kirchliche Rechtsgeschichte

Eines der identitätsstiftenden Elemente des Selbstverständnisses der westlichen Rechtskultur liegt darin, zwischen Hochmittelalter und dem so genannten konfessionellen Zeitalter eine spezifische Ordnung des Verhältnisses von weltlicher Herrschaft und Religion ausgebildet zu haben. Um Vorherrschaft ringend, waren sie doch stets aufeinander angewiesen und auf das Engste verbunden.

Im Zeichen von legalistischen und etatistischen Denkweisen seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und unter dem Einfluss der Modernisierungs- und Säkularisierungsthesen ist die Bedeutung des Religiösen für das Recht weitgehend aus dem Blick geraten. Von kirchlicher Seite wurde und wird die Geschichte des eigenen Rechts zudem oft konfessionell gebunden und aus Sicht eines spezifischen Wirklichkeitsverständnisses betrieben. Hinzu kommt, dass zentrale, zeitlich allerdings deutlich begrenzte Epochen fast die gesamte Energie der Forscher absorbieren: Im katholischen Bereich ist dies die Geschichte des kanonischen Rechts in den Jahrzehnten vor und nach Gratian, im protestantischen Bereich das 16. Jahrhundert.

Vor diesem Hintergrund versucht eine Reihe von Forschungsprojekten, zeitlich und methodisch Kontrapunkte zu setzen: Es geht um die nachklassische Kanonistik, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Nähe von kirchlichem Recht und Moraltheologie; um die lexikalische Aufarbeitung kirchenrechtlich-theologischer Wissensbestände an der Wende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit; um Religionskonflikte, Migranten und die Geschichte der Juden im konfessionellen Zeitalter im deutschsprachigen Raum.

 

Forschungsprojekte

 
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