Zuständiger Wissenschaftler

Anselm Küsters
Anselm Küsters
Doktorand

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Vernetzung im Forschungsprofil

Promotionsprojekt | Abteilung I

Der Einfluss des Ordoliberalismus auf die Entwicklung des europäischen Wettbewerbsrechts im Spiegel der Publikationen der Europäischen Kommission (ca. 1952-2018)

Die historische Existenz verschiedener Schulen der Wettbewerbsanalyse ist gut belegt, von der Harvard Schule, der Österreichischen Schule und dem Ordoliberalismus der Freiburger Schule bis hin zu den verschiedenen Versionen der Chicago Schule. Die tatsächliche Relevanz dieser Denktraditionen für die europäische Politik ist jedoch weniger eindeutig bestimmt. Meine Dissertation zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen, indem sie eine langfristige, quantitative Analyse der europäischen Wettbewerbspolitik der Europäischen Kommission durchführt. Ziel ist es, den Einfluss verschiedener ökonomischer Doktrinen zu klären indem bisher unberücksichtigtes Quellenmaterial und eine innovative Methodik in die wissenschaftliche Debatte eingebracht werden.

Im Zentrum des Projektes steht der Aufbau von vier Datenbanken, die den Einsatz von Text Mining-Methoden und Netzwerkanalysen ermöglichen. Diese Datenbanken decken die ordoliberale Fachgemeinschaft, alle Rechtsstreitigkeiten der Generaldirektion Wettbewerb, die soft law-Veröffentlichungen der Europäischen Kommission sowie die Mitarbeiter der GD Wettbewerb ab. Um diese Fülle an semantischen Daten auszuwerten, kann die derzeit rasant wachsende Anzahl an Text Mining-Techniken verwendet werden. Im Gegensatz zur bisher üblichen Methode, Einfluss durch Zitate zu messen, erlauben diese modernen big data-Techniken, zentrale Forschungsfragen zur Rolle des Ordoliberalismus an den erstellten Korpus zu stellen: Gibt es Hinweise auf einen ordoliberalen Einfluss in den Veröffentlichungen der Kommission und wenn ja, um welche Wörter, Konzepte und Fälle handelt es sich? Wie verändert sich dieser Einfluss im Verhältnis zu „externen“ Faktoren? Welche Publikationen, Fälle und Wörter stechen hervor und welche Gesamterzählung über die Geschichte des EU-Wettbewerbsrechts lässt sich daraus ableiten?

Dieses Promotionsprojekt basiert auf einer zentralen methodischen Überzeugung: Quantitative und qualitative Ansätze sollten nicht als Substitute, sondern als notwendige Komplemente in der Geschichtswissenschaft angesehen werden – zusammengenommen ergeben sie ein genaueres Bild der Vergangenheit. In einer Zeit, in der sich die EU-Wettbewerbspolitik im Zuge der digitalen Revolution an neue „Quasi-Monopolisten“ anpassen muss, ist es dringend geboten, das Erbe der ordoliberalen Tradition mit ihrem spezifischen Verständnis von Wirtschaftsmacht genauer zu verstehen.

 
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