Zuständiger Wissenschaftler

Prof. Dr. Karl Härter
Karl Härter
Wissenschaftler
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Vernetzung im Forschungsprofil

Kompetenzbereich

Gute Policey und Policeywissenschaft

abgeschlossen
Günther Heinrich von Berg, Handbuch des Teutschen Policeyrechts, 7 Tle., Hannover 1802-1809 Bild vergrößern
Günther Heinrich von Berg, Handbuch des Teutschen Policeyrechts, 7 Tle., Hannover 1802-1809

In der Frühen Neuzeit erließen die Obrigkeiten in Europa eine Vielzahl von Gesetzen, die unter dem Begriff der "guten Policey" die Ordnung des Gemeinwesens herstellen sollten. Dieser neue Typus staatlicher Ordnungsgesetzgebung reglementierte nahezu alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft und zielte auf soziale Kontrolle und Disziplinierung. Im Rahmen des Projekts Repertorium der Policeyordnungen entstanden zahlreiche Forschungen, welche die europäischen und gesellschaftlichen Dimensionen der Policey, die Policeywissenschaft, die Policeyordnungen des Alten Reiches, die Um- und Durchsetzung von Policeynormen, spezifische Sachbereiche oder einzelne Territorien/Reichsstädte (Württemberg) und theoretische Fragen untersucht haben bzw. noch immer erforschen.

Behandelt wurden beispielsweise die Aufwands- und Luxusgesetzgebung, die Armenpolicey, die Reglementierung von Migration und sozialen Randgruppen oder die theoretischen Konzepte der Sozialdisziplinierung, der Normdurchsetzung und der Implementation der Policeygesetzgebung. Ausgehend von den Regierungs- und Policeytraktaten wurden die unter dem Begriff der "guten Policey" zusammengefassten Ordnungsleitbilder und Zielvorstellungen politischen Handelns beobachtet und ist dem Zusammenhang zwischen der Veränderung von Steuerungszielen und dem ständig steigenden Steuerungsbedarf nachgegangen, der sich in der stetig und rasch wachsenden Zahl policeylicher Normen niederschlug. Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Zusammenhang von Policey, Strafrecht und Devianz bzw. Kriminalität in der Frühen Neuzeit. In einer territorialen Fallstudie wurden Gesetzgebung, Normdurchsetzung und Strafpraxis im frühneuzeitlichen Kurmainz untersucht und gezeigt, dass Normen, Institutionen, Verfahren und Mechanismen "guter Ordnung und Policey" die Normdurchsetzung und Strafpraxis langfristig prägten. Im Zusammenwirken mit informellen Kontrollmechanismen konstituierten Policey und Strafjustiz in der Vormoderne ein System formeller Sozialkontrolle, das die flexible Sanktionierung devianten Verhaltens ermöglichte und damit die "gute Ordnung des Gemeinwesens" sicherstellte.

Publikationen

Die insgesamt aus dem Projekt hervorgegangenen Forschungsergebnisse sind teils in der Reihe Studien zu Policey, Kriminalitätsgeschichte und Konfliktregulierung sowie in den Studien zur europäischen Rechtsgeschichte publiziert worden.

1.
Simon, T.: "Gute Policey" - Ordnungsleitbilder und Zielvorstellungen politischen Handelns in der Frühen Neuzeit. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main (2004), XIV, 601 S.
2.
Härter, K. (Hg.): Policey und frühneuzeitliche Gesellschaft. Klostermann, Frankfurt am Main (2000), XIII, 629 S.
3.
Härter, K.; Stolleis, M.; Schilling, L. (Hg.): Policey im Europa der Frühen Neuzeit. Klostermann, Frankfurt am Main (1996), IX, 603 S.
4.
Meyer, C. H. F.: Gratian in Westfalen. Landesgeschichtliche Befunde zur Verbreitung kirchenrechtlicher Literatur um 1200. In: Juristische Buchproduktion im Mittelalter, S. 283 - 314 (Hg. Colli, V.). Klostermann, Frankfurt am Main (2002)
5.
Stolleis, M.: Was bedeutet "Normdurchsetzung" bei Policeyordnungen der Frühen Neuzeit? In: Grundlagen des Rechts. Festschrift für Peter Landau zum 65. Geburtstag, S. 739 - 757 (Hg. Helmholz, R. H.). Schöningh, Paderborn (2000)
 
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