Zuständiger Wissenschaftler

Dr. Jean-Philippe Dequen
Jean-Philippe Dequen
Wissenschaftler
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Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung I

Ein gescheiterter Rechtstransfer?

Englische Admiralitätsgerichte in Bombay und Madras, 1684-1704

Ihrer Gründungsakte von 1600 zufolge, zielte die East India Company zunächst darauf, Außenposten für den Handel in Indien zu errichten. Im Gegensatz zu ihren Äquivalenten in Nord-Amerika war territoriale Expansion nicht das Ziel. Daher hatte sie auch kein Mandat, englisches Recht auf jene kleinen Flecke unter ihrer Kontrolle zu transferieren. Angestellte und Personal der Company unterlagen ihrer internen Kontrolle. Im Übrigen aber suchte sie den Schulterschluss mit lokalen Autoritäten und deren Rechtssetzungs-Autorität.

Die Frage, ob englisches Recht in Indien anwendbar gemacht werden sollte, kam zuerst im Fall Bombays auf, als die Stadt 1661 von der portugiesischen Krone an die britische überging. Letztere verpachtete das Territorium 1668 an die East India Company. In der Folge wurden Courts of Judicature eingerichtet, die „so nah wie annehmbar an den Gesetzen Englands“ Recht sprechen sollten. Die Company Laws, die auf diese Weise entstanden, waren jedoch in mancher Hinsicht vom englischen Recht grundverschieden. Überdies oblag die Rechtspflege Laienrichtern aus dem Kreise der Company an Stelle ausgebildeter Juristen.

Als Reaktion auf Piraterie und Schmuggel erlaubte die Satzung der Company 1683 die Einrichtung von Admiralitäts-Gerichten unter dem Vorsitz ausgebildeter Juristen. Verfahrenstechnische Fragen über ihren Status als Berufungsinstanz sowie über die Anwendbarkeit materiellen Rechts führten zu Spannungen mit den Leitung der Company. Letztere entschied den Konflikt für sich indem sie den Mayor’s Court einrichtete, der unter dem Siegel der Company und den Satzungen von 1686 und 1687 Recht sprach. Zudem wurde das Erfordernis, professionelle Juristen als Vorsitzende der Admiralitäts-Gerichte einzusetzen, in der Folge kaum noch befolgt. Der Zuständigkeitsbereich der Admiralitäts-Gerichte wurde schließlich den Supreme Courts of Judicature und später den High Courts zugeschlagen.

Die erfolgreiche Abwendung einer direkten Gerichtsbarkeit der Krone in Indien war kurzlebig für die Company. Mit der vom Parlament erzwungenen Reform der Company im Jahre 1708 wurde der Weg für die Satzung von 1726 geebnet, die den Mayor’s Court unter die Gerichtsbarkeit der britischen Krone brachte und mithin letztere als höchste Berufungsinstanz festsetzte.

Trotz der späteren territorialen Expansion in der Schlacht von Plassey 1757 und dem Zuschlag von dīwānī 1765, das den Dualismus zwischen Presidency towns und den mofussil Gebieten festschrieb, blieb die Satzung von 1726 eine Zäsur. Fortan war es der Company nicht mehr möglich, ihre Unabhängigkeit vom britischen Parlament und seinen Gesetzen zu reklamieren. Die Verwaltung und das Justizwesen in Indien wurden dadurch anglo-zentrisch ausgerichtet.

Forschungsinteresse

Obwohl verschiedene Studien sich dem englischen Rechtstransfer des 18. Jahrhunderts und dem Mayor’s Court gewidmet haben, wissen wir immer noch wenig über den gescheiterten Versuch des Rechtstransfers durch die Admiralitäts-Gerichte im 17. Jahrhundert.

Ich möchte die Frage beantworten, weshalb dieser Versuch scheiterte. Dafür lege ich das Augenmerk auf die kurze Spanne, in der die Admiralitäts-Gerichte ihre Arbeit aufnahmen und tatsächlich unter dem Vorsitz professioneller Juristen arbeiteten. Darin inbegriffen sind Bombay in der Zeit von 1684 bis 1687 als John St. John der dortige vorsitzende Richter und Madras in der Zeit zwischen 1686 und 1704 wo John Biggs, John Dolben und William Fraser diese Position innehatten.

Wieviel englisches Recht wurde in diesen Gerichten im Verhältnis zu Company Law angewendet? Welchen Anteil hatten die Richterpersönlichkeiten am Scheitern dieses Rechtstransfers? Und welche Rolle spielten die damaligen politischen Verhältnisse vor Ort und im Mutterland? Diese und andere Fragen sollen hier beantwortet werden. Dieses Vorhaben stützt sich auf die Analyse alter Gerichtsakten sowie der Korrespondenz zwischen den Vorsitzenden Richtern und der Leitungsebene der Company.

 
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