Zuständige Wissenschaftlerin

Dr. Victoria Barnes
Victoria Barnes
Wissenschaftlerin
Telefon: +49 (69) 789 78 - 184

Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung I

Die Rolle der Anwälte bei der Regulierung und Beschränkung von Unternehmensvorständen in der anglo-amerikanischen Welt des 19. Jahrhunderts

Mechanismen der Unternehmensregulierung sind nach der Finanzkrise von 2008 zu einem bedeutenden Thema im Privatrecht geworden. In England sind die rechtlichen Befugnisse von Kaufleuten im Aktiengesetz (Companies Act) von 2006 s. 171-7 festgelegt. Dieses Gesetz stellte den Versuch dar, die Geschäftsführerbefugnisse nach dem Vorbild des EU-Rechts zu regeln. Vor seinem Erlass beruhten die Geschäftsführerbefugnisse auf dem common law, insbesondere dem Fall Foss v Harbottle aus dem Jahr 1843. Danach unterlagen die Befugnisse der Gesellschafter und Vorstände den Bestimmungen des jeweiligen Gesellschaftsvertrages, d.h. eines Vertrages der Gesellschafter untereinander. Seine Bestimmungen legten sowohl die Befugnisse des Vorstands als auch der Geschäftsleitung fest.

Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, den Transfer sowohl der rechtlichen Regeln, Prinzipien und Vorstellungen hinsichtlich der Befugnisse von Vorständen und Geschäftsführern als auch des anwaltlichen Verständnisses von Gesellschaftsformen in das Recht der Vereinigten Staaten herauszuarbeiten. So soll beispielsweise untersucht werden, welche Szenarien die Anwälte bei Festlegung der Geschäftsführerbefugnisse vermeiden wollten. Folgten die Vereinigten Staaten beispielsweise den Regeln und Prinzipien des britischen Vertragsrechts oder erarbeiteten sie neue Regelungen? Oder wurde gerade durch Abweichungen ein stabileres Rechtssystem geschaffen? Es soll in erster Linie untersucht werden, wie die Übertragung des Rechts und seiner Praxis über den Atlantik hinweg stattfand bzw. nicht stattfand.

Dieses Forschungsprojekt stellt daher einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Debatte über die Unternehmensform und deren Verständnis in der anglo-amerikanischen Welt dar. Eine historische Untersuchung kann hier von großer Bedeutung sein, da sie einen Beitrag zur gegenwärtigen Debatte über die Entstehung  des Unternehmens als rechtliches und soziales Konstrukt leistet wie auch die Überlegungen unterschiedlicher Akteure und Rechtssysteme zur Einschränkung der unternehmerischen Macht nachzuvollziehen hilft. Die vergleichende historische Forschung hat in diesem Zusammenhang die Funktion, unterschiedliche Rechtsauffassungen sowie den Einfluss der untersuchten Rahmenbedingungen auf die Unternehmensstabilität aufzuzeigen.

 
loading content