Doktorandin

Dr. Helen McKee
Helen McKee
Wissenschaftlerin
Telefon: +49 (69) 789 78 - 181
Fax: +49 (69) 789 78 - 169

Vernetzung im Forschungsprofil

Promotionsprojekt | Abteilung I

"Hardships there are but the land is green and the sun shineth"

Die Geschichte des Landeigentums auf Jamaika im Zeitraum von der Sklavenemanzipation bis zur Unabhängigkeit des Landes

Die Abschaffung der Sklaverei im Britischen Königreich war ein Prozess, der sich über Jahrhunderte erstreckte. Nach Jahre politischer Debatten wurde der Sklavenhandel endgültig 1807 abgeschafft. Die Sklavenemanzipation wurde erst Jahrzehnte später beschlossen. Und doch kam das Ende schneller als erwartet. Man war von einem Ende der Lehrzeit (apprenticeship period) um 1840 ausgegangen. Aufgrund des zunehmenden politischen Drucks beendete die britische Kolonialregierung die Lehrzeit jedoch bereits Anfang August 1838. Am 1. August wurden alle Sklaven Jamaikas von der Sklaverei befreit. Die ehemaligen Sklaven würden wie bisher auf der Plantage im selben Haus leben und derselben Tätigkeit nachgehen. Für ihre Beschäftigung würden sie jedoch einen Lohn erhalten und somit keine Sklaven mehr sein. In den Worten eines Jamaikaners ausgedrückt bedeutete dies so viel wie „alles blieb beim Alten“.

Tatsächlich verließen die ehemaligen Sklaven die Plantagen in Scharen, was zu einer Arbeitskräfteknappheit auf der Plantage führte. Die Reaktion der Grundbesitzer hierauf war die Einführung von Gesetzen, die die Sklaven verpflichteten, weiterhin auf der Plantage zu arbeiten. Zu den eingeführten Maßnahmen gehörten eine willkürliche Besteuerung sowie die Verabschiedung von  Gesetzen gegen Hausbesetzer und Landstreicherei.

Forschungsinteresse:

Während sich die bisherige Forschung mit der Frage beschäftigte, wie Jamaika mit der Arbeitskräfteknappheit in den Jahren nach der Sklavenemanzipation umging und ihr Hauptaugenmerk auf die Einführung Arbeitsverpflichteter aus Mittel- und Südasien, die sozialen Bedingungen dieser Arbeiter sowie die Bemühungen der Kolonialregierung zur Stabilisierung der eigenen Wirtschaft richtete, sind die Bemühungen der Kolonialregierung aus rechtlicher Sicht, die Arbeiter zu einer Rückkehr auf die Plantagen zu bewegen, bisher kaum erforscht worden. Mein Forschungsvorhaben zielt dahin, zu einem Verständnis zu gelangen, in welcher Form das englische Recht, unter Berücksichtigung der afrokaribischen Einflüsse bzw. Reaktionen auf diese Gesetzgebung, angewandt wurde, um die Sklaven zu einem Verbleib auf den Plantagen zu bewegen. Was genau unternahm die Kolonialregierung zur Unterdrückung der Landbesitznahme durch die ehemaligen Sklaven, um sie auf diese Weise zu einer Rückkehr auf die Plantage zu zwingen? Welche Gesetze wurden in den Jahren nach der Sklavenemanzipation zur Bekämpfung von Landstreicherei angewandt? Wie reagierte die afro-karibische Bevölkerung auf diese Gesetzgebung und welche Maßnahmen ergriff sie zur Landbesitznahme? In welcher Form veränderte sich das afro-karibische Verständnis von Landbesitz im untersuchten Zeitraum? Meine Untersuchung zielt dahin, wie die afro-karibische Bevölkerung die Anwendung englischer Rechtsprechung auf Jamaica beeinflusste und Rechtsräume zwischen ihrer und der Rechtsauffassung der Kolonialregierung schuf, um Landbesitz zu beanspruchen und somit den Kontrollbereich der Plantage zu verlassen.

 
loading content