Zuständiger Wissenschaftler

Prof. Dr. Karl Härter
Karl Härter
Wissenschaftler
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Forschungsprojekt | Abteilung II

Die Entwicklung der Strafjustiz im Übergang vom gemeineuropäischen zum nationalstaatlichen Strafrecht

Der französische Code Pénal von 1810 in der 1811 erschienen deutschen Übersetzung von Th. Hartleben Bild vergrößern
Der französische Code Pénal von 1810 in der 1811 erschienen deutschen Übersetzung von Th. Hartleben

Das Projekt untersucht den Wandel der Strafjustiz – verstanden als Gesamtheit von Normen, Institutionen, Verfahren, Strafen und Kriminalpolitik – im 18. und 19. Jahrhundert im europäischen Kontext. Dabei werden nicht nur Entwicklungen auf der staatlichen Ebene wie die modernen Strafrechtskodifikationen, die Ausformung der Strafrechtswissenschaft oder die Veränderung von Justiz und Strafen einbezogen, sondern auch Kriminalpolitik, Sicherheitsdiskurse, Polizeirecht, die mediale Repräsentation von Verbrechen, Strafzwecke und Konfliktregulierungsmechanismen analysiert. Ein Schwerpunkt bildet die Praxis der Strafjustiz, die Entwicklung von Kriminalität und zugrunde liegenden Konflikten sowie die Formen der Sanktionierung und Regulierung unter Einbeziehung außergerichtlicher und infrajustizieller Formen wie „Justiznutzung“, „Infrajustiz“, „Mediation“, „Gnade“, „Supplikationen“, „Duelle“ oder „Schandstrafen“. Die Forschungsaktivitäten thematisieren den Einfluss von Vergeltung, Kompensation und Mediation in der justiziellen Regulierung von Gewalt; Repräsentation von politischer Gewalt, Attentaten und Revolten und strafrechtlichen/sozialen Reaktionen in populären, illustrierten Medien und juristisch-politischen Diskursen; den Zusammenhang von Sicherheitsproduktion, Sicherheit und Rechtssicherheit; das Verhältnis von Polizeistrafrecht und politischer Polizei zu Strafrechtskodifikation und Verfassungsschutz; den Einfluss des französischen Code pénal von 1810 auf die Strafjustiz und die Konzepte Justiznutzung, Mediation und Infrajustiz. Dies erfolgte teils im Rahmen von Kooperationen mit dem Kunsthistorisches Institut/Max-Planck-Institut Florenz, der Universität Valencia und dem SFB Dynamiken der Sicherheit (Marburg/Gießen).

 

Publikationen

1.
Karl Härter, "Feuerbach, das Bayerische Strafgesetzbuch von 1813 und das Polizeistrafrecht", in Feuerbachs Bayerisches Strafgesetzbuch. Die Geburt liberalen, modernen und rationalen Strafrechts, edited by Arnd Koch, Michael Kubiciel, Martin Löhnig, and Michael Pawlik (Mohr Siebeck, Tübingen, 2014), pp. 129-147.
2.
Karl Härter, "Schlichtung, Intervention und politische Polizei: Verfassungsschutz und innere Sicherheit im Deutschen Bund", in Schutz der Verfassung: Normen, Institutionen, Höchst- und Verfassungsgerichte. Tagung der Vereinigung für Verfassungsgeschichte in Hofgeismar vom 12. bis 14. März 2012, edited by Thomas Simon and Johannes Kalwoda (Duncker & Humblot, Berlin, 2013), pp. 129-154.
3.
Karl Härter, "Violent Crimes and Retaliation in the European Criminal Justice System between the Seventeenth and Nineteenth Century", in Max Planck Institute for European Legal History Research Paper Series, (2013), Vol. 2013-01, pp. 17.
4.
Karl Härter, "Die Folter als Instrument policeylicher Ermittlung im inquisitorischen Untersuchungs- und Strafverfahren des 18. und 19. Jahrhunderts", in Die Geschichte Folter seit ihrer Abschaffung, edited by Karsten Altenhain and Nicola Willenberg (V & R Unipress, Göttingen, 2011), pp. 83-114.
5.
Karl Härter (ed) and Cecilia Nubola (ed), "Grazia e giustizia. Figure della clemenza fra tardo medioevo ed età contemporanea", in Annali dell'Istituto Storico Italo-Germanico in Trento: Quaderni, (2011), Vol. 81, pp. 627.
 
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