Zuständiger Wissenschaftler

Dr. Christoph H.F. Meyer
Christoph H.F. Meyer
Wissenschaftler
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Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung II

Der Status des 'Ungläubigen' im vormodernen kanonischen Recht

Die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen eines Zusammenlebens unterschiedlicher religiöser Gemeinschaften im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit sind in den letzten Jahrzehnten verstärkt in das Blickfeld der Forschung gerückt. Das gilt für weltliche und religiöse Rechte gleichermaßen. Allerdings lassen sich die Erträge der Forschung gegenwärtig nur schwer überschauen und beurteilen. Das liegt auch daran, daß die meisten einschlägigen Arbeiten aus fachlichen Kontexten stammen, die außerhalb der Rechtsgeschichte liegen. Diese besonderen Ausgangspunkte führen zu einer teilweise disparaten Forschungsdiskussion und beeinflussen auch das Bild von den Möglichkeiten und Grenzen rechtlicher convivencia in der Vormoderne.

Das Arbeitsvorhaben ist Teil des MPIeR Projekts "Convivencia – Legal Historial Perspectives". Ziel des Teilprojekts ist es, für einen zentralen Faktor des rechtlichen Zusammenlebens in der Vormoderne, und zwar das kanonische Recht des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, die bisher geleistete Forschung einer kritischen Bestandsaufnahme zu unterziehen. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Figur des Ungläubigen (infidelis). Wenngleich das Kirchenrecht das Leben der Christen als Glieder der Kirche regelt, finden sich in dem vormodernen kanonischen Recht und seiner Literatur zahlreiche Bezugnahmen auf Nicht-Christen, ohne daß diese jedoch zu einem eigenen Thema der Kanonistik wurden. Ausgehend von der Frage nach der Stellung des infidelis im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen kanonischen Recht soll zunächst die einschlägige Forschungsliteratur systematisch erfaßt werden. In einem zweiten Schritt gilt es dann, für einen Einzelaspekt, und zwar die Ehen zwischen Christen und Nicht-Christen, die Stellung des 'Ungläubigen' einer genaueren Untersuchung zu unterziehen.

 
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