Bibliothek

Bestand

Die Bibliothek verfügt über einen Bestand von über 460.000 gedruckten Medieneinheiten. Im Mittelpunkt steht eine reichhaltige Sammlung an Quellenwerken und Sekundärliteratur zur Entwicklung des Rechts in Europa. Hinzu kommt eine Fülle nichtjuristischer Literatur aus Philosophie, Theologie, Historiographie, Politik-, Wirtschafts-, Sozial- und Geistesgeschichte. Nach wie vor werden durch Ankäufe auf dem Antiquariatsmarkt intensive Anstrengungen zur Komplettierung des Altbestands unternommen.

Sondersammlungen

Sondersammlung "Juristische Dissertationen des 16. - 18. Jahrhunderts"

Die Bibliothek verfügt über einen etwa 60.000 Titel umfassenden Bestand juristischer Dissertationen, Disputationen und kleinerer akademischer Abhandlungen des 16. bis 18. Jahrhunderts aus dem Gebiet des Alten Reichs. Hinzu kommen Dauerleihgaben der Universitätsbibliothek Frankfurt (Sammlung Lehnemann) sowie der Diözesanbibliothek Limburg mit zusammen weiteren 40.000 Einheiten. Einen Schwerpunkt bilden die Dissertationen und Disputationen der protestantischen Universitäten des nördlichen und mittleren Deutschland wie Halle, Wittenberg, Jena, Göttingen und Leipzig. Etwa 60% der Titel sind im 18. Jahrhundert, ca. 40% im 17. Jahrhundert erschienen; die Anzahl der Titel des 16. Jahrhundert ist gering. Die Sondersammlung wurde im Rahmen eines Dissertationenprojekts der Bibliothek bibliographisch und sachlich erschlossen, Titelblätter und Widmungsseiten wurden digitalisiert und stehen als digitale Faksimiles im Internet zur Verfügung.

Sondersammlung "Juristische Dissertationen des 20. Jahrhunderts"

Eine weitere Sondersammlung beinhaltet rund 30.000 juristische Dissertationen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die ursprünglich von der Bibliothek des Reichsgerichts in Leipzig zusammengetragen wurden. Etwa 4.000 dieser Dissertationen stammen aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Sondersammlung "Verfilmte mittelalterliche Handschriften"

Für die lateinischen Handschriften zum römischen Recht bis zum Jahre 1230 wurde eine Sammlung von bisher 1.600 Filmen angelegt. Hinzu kommen über 300 Filme mit den wichtigsten Werken der kanonistischen Literatur für den Zeitraum 1100-1230. Für den griechischen Osten hat das Forschungsprojekt zur byzantinischen Rechtsgeschichte 1.000 Mikrofilme von Handschriften des weltlichen und kirchlichen Rechts aus dem 10. bis 15. Jahrhundert zusammengestellt. Durch diese beiden Sammlungen verfügt das Institut über einen in dieser Vollständigkeit seltenen Fundus an mediävistischen Rechtstexten.

Juristenbibliotheken und -nachlässe

In den vergangenen Jahren hat das Institut mehrfach Juristenbibliotheken und wissenschaftshistorisch bedeutsame Nachlässe erworben, die sich nun in der Obhut der Bibliothek befinden.

So konnte das Institut aus dem Archiv des Rechtshistorikers Guido Kisch (1889-1985) eine Sammlung von Separata sowie den wissenschaftlichen Briefwechsel und weitere Nachlassmaterialien erwerben. Die rechtshistorische Bibliothek Kischs wurde an Antiquariate gegeben, während die Judaica an das Leo-Baeck-Institut nach New York gingen.

Eine große rechtshistorische Privatbibliothek mit ca. 10.000 Bänden sowie einer umfangreichen Sammlung an Sonderdrucken stellt die Bibliothek Sten Gagnérs (1921-2000) dar, die mit Hilfe von Sondermitteln der Max-Planck-Gesellschaft und einer privaten Zuwendung 2002 erworben werden konnte. Die Bibliothek ist wertvoll insbesondere für die skandinavische und europäische Rechtsgeschichte, zumal sie auch hohe Anteile an kanonistischer Literatur aufweist.

Im Zusammenhang mit einem Projekt zur Wissenschaftsgeschichte des Völkerrechts gelang die Erwerbung von Bibliothek und Nachlass des Völkerrechtlers Karl Josef Partsch (1914-1996). Dabei ergab sich, dass in dem Bestand auch Briefe seines Vaters, des Papyrologen, Zivilrechtlers und Völkerrechtlers Josef Partsch (1882-1925) enthalten waren. Ebenfalls einen völkerrechtlichen Schwerpunkt haben Bibliothek und Nachlass von Wilhelm G. Grewe (1911-2000).

Bei Studien zur Geschichte des öffentlichen Rechts und der Weimarer Zeit tauchten 1997 Hinweise auf den Nachlass des Münchener Staats- und Kirchenrechtlers Karl Rothenbücher (1880-1932) auf. Ende 1999 kam dieser Nachlass als Dauerleihgabe der Familie an das Institut. Er enthält nicht nur Rothenbüchers Werke, sondern vor allem den gesamten Bestand an Arbeitsmaterialien, Manuskripten, Briefen, Urkunden und Fotos. Rothenbücher war als Kirchenrechtler ein Kritiker der bayerischen Konkordatspolitik der zwanziger Jahre und fiel nationalistischen Kreisen unangenehm auf, als er 1924 in einer Broschüre "Der Fall Kahr" schrieb, die Beteiligten des Hitler-Putschs seien Hochverräter.

Bibliothek und ein kleiner Briefnachlass des Zivilrechtlers und Spezialisten für Ostrecht Klaus Westen (1929-1999) sind seit Ende 1999 im Besitz des Instituts. Westen war Schüler von Franz von Hippel, bei dem er über "Die rechtstheoretischen und rechtspolitischen Ansichten Josef Stalins" (1959) promovierte. Auch die Habilitationsschrift, eine Untersuchung über die KPdSU und den Sowjetstaat (1968), basierte auf russischen Quellen. Eine wertvolle Ergänzung dieses Bestandes stellt die Korrespondenz des Ostrechtlers Georg Brunner (1936-2002) dar, die dem Institut zur wissenschaftlichen Auswertung überlassen worden ist.

Eine Nachlass-Datenbank informiert über die in den Nachlässen befindlichen archivalischen Materialien, wie Arbeitsunterlagen, Manuskripte und Korrespondenzen. Sie ist derzeit nur intern zugänglich, kann auf Anfrage jedoch eingesehen werden. Bücher und Zeitschriften aus Nachlass-Bibliotheken sind im webOPAC verzeichnet.