Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 182

The Casus Codicis of Wilhelmus de Cabriano

Tammo Wallinga

Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 182
Frankfurt am Main: Klostermann 2005. XCIII, 802 S.

ISSN: 1610-6040
ISBN: 978-3-465-03365-3

The Casus Codicis of Wilhelmus de CabrianoTammo WallingaStudien zur europäischen Rechtsgeschichte 182Frankfurt am Main: Klostermann 2005 Bild vergrößern
The Casus Codicis of Wilhelmus de Cabriano
Tammo Wallinga
Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 182
Frankfurt am Main: Klostermann 2005 [weniger]

Die frühe Periode des Ius Commune, vom Ende des 11. Jahrhunderts bis zur Accursischen Glosse, ist einerseits sehr interessant, weil die Rezeption von Justinians Corpus Iuris Civilis in vollem Gang ist, andererseits sehr schwierig zu erforschen. Nur eine Auswahl von Glossen der frühen Glossatoren ist in die Accursische Glosse gelangt, und nur eine beschränkte Menge an vor-Accursischem Material ist gedruckt worden. Eine Untersuchung zu den ersten Generationen der Glossatoren erfordert daher oft, Handschriften zu Rate zu ziehen, direkt oder durch Mikrofilme. Nur so kommt man an die Quellen, ob es sich dabei nun um Glossen oder um selbständige Werke handelt.

Eines dieser selbständigen Werke, die Casus Codicis von Wilhelmus de Cabriano, wurde 1970 von Dolezalek wiederentdeckt. Diese Casus Codicis führen uns bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Sie beruhen vermutlich auf Vorlesungen von Bulgarus (dem Lehrer von Wilhelmus) über Justinians Codex und bilden so das älteste überlieferte Beispiel einer lectura. Sie ermöglichen uns einen Einblick in die Lehrmeinungen und die Argumentationsweise der Schule des Bulgarus, viel genauer als die Dissensiones Dominorum, weil sie vollständige Kommentare und Argumente statt verkürzter und unmotivierter Meinungen bieten. Sie zeigen uns, welche Texte des Codex während der Vorlesungen behandelt wurden und geben uns einen Eindruck von dem, was Bulgarus für seine Studenten am wichtigsten und interessantesten fand. Und schliesslich reflektieren sie den Entwicklungsstand der Methode seiner Schule und den damals erreichten Grad des Verständnisses vom Inhalt des Corpus Iuris Civilis. Diese moderne, kritische Ausgabe der Casus Codicis ermöglicht einen direkten und einfachen Zugang zu einer erstrangigen Quelle für eine wichtige Periode in der Entwicklung der europäischen juristischen Tradition.

 
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