Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 209

Recht als Kultur. 
Zur kultursoziologischen Analyse des Rechts

Werner Gephart

Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 209
Frankfurt am Main: Klostermann 2006. XIII, 323 S.

ISSN: 1610-6040
ISBN: 978-3-465-04003-3

Recht als Kultur. Zur kultursoziologischen Analyse des RechtsWerner GephartStudien zur europäischen Rechtsgeschichte 209Frankfurt am Main: Klostermann 2006 Bild vergrößern
Recht als Kultur.
Zur kultursoziologischen Analyse des Rechts
Werner Gephart
Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 209
Frankfurt am Main: Klostermann 2006 [weniger]

Diese Studie geht einer Entfremdungsgeschichte nach: Der Rechtsanalyse ist im soziologischen und ökonomischen Paradigma die kulturelle Dimension abhanden gekommen und die Kulturanalysen zur Moderne haben das Recht vielfach gering geschätzt. Die Studie versucht zu zeigen, wie fruchtbar eine kultursoziologische Optik zum Recht bei den Klassikern der Disziplin einmal angelegt war: Emile Durkheim und Max Weber räumen in ihren Analysen von Zivilisationen und Kulturen gerade dem Recht einen distinkten Platz ein und liefern zugleich die kategorialen Mittel für eine symbol- und ritualbezogene

Deutung des Rechts. Aber es schiene auch fatal, Simmels Analyse der Formen des sozialen Lebens bei einer Spurensuche von Kultur im Recht und von Recht in der Kultur einfach auszublenden, auch wenn ihm gerade die Fülle außerrechtlicher sozialer Zwischenformen sehr bewusst war.Inwieweit sich der kultursoziologische Blick auf das Recht nunmehr an Gegenständen von Inklusion und Exklusionsprozessen in mittelalterlichen Gesellschaften, dem inflationären Symbolgebrauch im Nationalsozialismus, in der Analyse der heiligen Orte und Zeiten der Gerechtigkeit auch von Zivilgesellschaften als Deutungsperspektive bewährt, ist Gegenstand des zweiten Teils der Studie. Dies berührt die Frage nach dem empirischen Geltungsgrund des Rechts, der eigentümlichen "force de droit", die wir aus der Zwangsapparatur des Rechts und den Mythen, Legenden und Selbstthematisierungen des Rechts allein nicht erklären können. So gerät auch die Kraft der Rechtsbilder eines in höchstem Maße unanschaulichen modernen Rechts in den Blick, die in einer medialisierten Gesellschaft sich neuer Ausdrucksformen bedient, um die von Simmel so bezeichnete "ewige Krankheit des Rechts" als ein Simulacrum der Gerechtigkeit zu erweisen.

Inhalt:

Einleitung: Grenzen der ökonomischen und soziologischen Analyse des Rechts

Erster Teil: Theoretische Orientierungen

  1. Kulturelle Aspekte des Rechts. Vom Klassen- zum Kulturparadigma?
  2. Recht als Kultur? Max Webers Beitrag zu einer vergleichenden Kultursoziologie des Rechts
  3. Im Reich des Normativen : Durkheims Vision der rechtlichen Ordnungen
  4. Recht als symbolische Ordnung: Die Theorie strafrechtlicher Zurechnung von Paul Fauconnet
  5. Über den Ursprung des Zivilrechts in der Religion: Emile Durkheim, Paul Huvelin und Emmanuel Lévy
  6. Das Recht im Konflikt der modernen Kultur: Zur Theorie des Rechts bei Georg Simmel

Zwischenbetrachtung: Auf der Suche nach dem ‚Grund' des Rechts

Zweiter Teil: Kultursoziologische Analysen des Rechts

  1. Die Normalität der Bettler, Dirnen, Henker und Leprösen für die Konstitution mittelalterlicher Gesellschaften
  2. Symbole des Unrechts im Nationalsozialismus
  3. Orte der Gerechtigkeit: Gerichtsarchitektur zwischen Sakral- und Profanbau
  4. Alte und neue Bilder der Gerechtigkeit. Von den Symbolen des Rechts zum Simulacrum der Gerechtigkeit
  5. Recht, Religion oder Wirtschaft als Ort der Genese normativer Bindungen?

Schluß: Kulturelle Dimensionen und Eigengesetzlichkeiten der rechtlichen Sphäre.

 
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