Juristische Briefwechsel des 19. Jahrhunderts

Victor Ehrenberg und Georg Jellinek.
Briefwechsel 1872-1911

Christian Keller

Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 186
Juristische Briefwechsel des 19. Jahrhunderts
Frankfurt am Main: Klostermann 2005. IX, 478 S.

ISSN: 1610-6040
ISBN: 978-3-465-03406-3

Victor Ehrenberg und Georg Jellinek.Briefwechsel 1872-1911Christian KellerStudien zur europäischen Rechtsgeschichte 186Juristische Briefwechsel des 19. JahrhundertsFrankfurt am Main: Klostermann 2005 Bild vergrößern
Victor Ehrenberg und Georg Jellinek.
Briefwechsel 1872-1911
Christian Keller
Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 186
Juristische Briefwechsel des 19. Jahrhunderts
Frankfurt am Main: Klostermann 2005 [weniger]

Der in diesem Band herausgegebene und kommentierte Briefwechsel zwischen Victor Ehrenberg und Georg Jellinek dokumentiert eine fast vierzigjährige Freundschaft, die zwischen den beiden Leipziger Studenten im Jahr der Reichsgründung beginnt und mit Georg Jellineks Tod endet. Während sich Georg Jellinek zum herausragenden Vertreter des Staatsrechts entwickelte, gewann Victor Ehrenberg sein wissenschaftliches Profil als „Vater des Versicherungsrechts“. Beide Briefpartner verband ihre Herkunft aus angesehenen Familien des deutsch-jüdischen Bildungsbürgertums. Vorangestellt ist der Briefedition eine Einleitung, die unter dem Titel „Wissenschaft als Lebensform“ die private und wissenschaftliche Biographie beider Briefpartner in ihren historischen, wissenschaftsgeschichtlichen und politisch-sozialen Kontext einbettet. Auf diese Weise entsteht ein Doppelporträt zweier bedeutender deutsch-jüdischer Juristen in ihrer Zeit.

Die Einleitung beleuchtet zunächst Familiengeschichte und Lebenswelt. Obwohl vollkommen akkulturiert, erfuhren beide, wie ihre konfessionelle Herkunft einer vorbehaltlosen Aufnahme in die Welt der deutschen Kultur entgegenstand. Das wissenschaftsgeschichtliche Augenmerk gilt inbesondere den literarischen Anfängen Georg Jellineks, der sich der methodischen Neuausrichtung im Öffentlichen Recht verschreibt und ihr eigene Impulse verleiht. Verfolgt werden die Stationen des Aufstiegs zu repräsentativen Rechtsgelehrten des Deutschen Reiches. Beide erleben die Universität als den Ort autonomer Entfaltung in Forschung und Lehre und bejahen den liberalen, zugleich machtvollen auftretenden Rechtsstaat ihrer Epoche. Eng verklammert finden sich Staat, Recht und individuelle Freiheit bei Georg Jellinek, der die bürgerlichen Freiheitsrechte als Teil der den Staat bindenden Rechtsordnung versteht. Im Rückblick auf die konfessionell bedingten Diskriminierungserfahrungen gewinnt Georg Jellineks These vom Urrecht der Religionsfreiheit für beide Briefpartner lebensgeschichtliche Prägnanz.

 
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