Die Verwaltung der lokalen Kirchen im Kirchenstaat: Die Konzilskongregation und die Marca pontificia im 16. und 17. Jh.

Promotionsprojekt

In Rahmen der Forschungsgruppe Governance of the Universal Church after the Council of Trent fokussiert sich dieses Doktorandenprojekt auf die Analyse ausgewählter Diözesen, die zum Kirchenbezirk „Marca Pontificia“ gehören. Damit leistet das Projekt einen historiographischen Beitrag zur Untersuchung eines spezifischen Herrschaftsgebiets im Kirchenstaat, das innerhalb der Diskussion hinsichtlich der Zentrum-Peripherie-Perspektive bisher nicht die notwendige Beachtung gefunden hat.

Unter Berücksichtigung der kirchlichen Geografie des Gebiets der Marken interessiere ich mich für die lokale Dimension der globalen Institutionen des Heiligen Stuhls. Der Schwerpunkt liegt auf der Praxis und den Maßnahmen, mit denen das dialektische Verhältnis zwischen den lokalen kirchlichen Institutionen und der Konzilskongregation zum Ausdruck gebracht wurde.

Ich werde die typischen Quellen des Konzilskongregationsarchivs, wie z.B. Positiones, Libri Decretorum und Libri Litterarum, mit der Überlieferung in den Diözesan - Archiven verbinden, um die von den verschiedenen kirchlichen Institutionen angewandte Praxis zurückzuverfolgen. Die Analyse beabsichtigt auf der einen Seite die Entwicklungen der Bittschriften auf lokaler Ebene zu rekonstruieren und auf der anderen Seite die Entgegennahme und Umsetzung der Dekrete der Konzilskongregation durch und in den Diözesen zu überprüfen.

Vor diesem Hintergrund wird die Rolle der Bischöfe bei der Durchführung ihrer Aufgaben, als Rezeptoren der lokalen Interessen oder Förderer der Bittschriften, in den Blick genommen. Indem wir Ausmaß und Umfang der bischöflichen Anteilnahme an jeder einzelnen Angelegenheit untersuchen, können Möglichkeiten und Grenzen der bischöflichen gerichtlichen Zuständigkeit geprüft werfen.

Das Projekt richtet ein besonderes Augenmerk auf die Klärung der verfahrensrechtlichen und theoretischen Aspekte der Anwendung der Dekrete von Trient. Fragen im Zusammenhang mit der Residenzpflicht, den Benefiziaten und Veräußerungen des Kirchenvermögens sind nur einige der wichtigsten Angelegenheiten, die in der frühen Neuzeit das Verhältnis zwischen der Konzilskongregation und den Diözesen der Marken charakterisierten. Darüber hinaus wird es aufgrund des gewählten Untersuchungszeitraums möglich sein, die Veränderungen an den Suppliken – in Bezug auf Praxis und Inhalt – sowohl aus lokaler als auch aus römischer Perspektive zu berücksichtigen.

Ziel des Projekts ist es, einen Beitrag zur Rolle der Konzilskongregation auf der italienischen Halbinsel, vor allem im Kirchenstaat, zu leisten und so Vergleiche mit anderen neueren Forschungen zu ermöglichen, die sich hauptsächlich mit außereuropäischen Gebieten befassen.

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