Der Körper des Priesters

Abgeschlossenes Projekt

Irreguläre Kleriker vor der frühneuzeitlichen Konzilskongregation

Das Projekt befasst sich mit Schwellen der Zugehörigkeit zum Klerus in der post-tridentinischen katholischen Kirche anhand von konkreten Fällen, in denen das Vorliegen von sogenannten Irregularitäten oder Weihehindernissen in der Konzilskongregation (ab 1564) diskutiert wurde. Im Zentrum sollen insbesondere Irregularitäten ex defectu corporis, also aufgrund von körperlichen Mängeln stehen. Diese erlauben, so die Ausgangsthese, neue Einblicke in das Verhältnis von spirituell-sakramentalen und physisch-korporalen Aspekten von katholischem Priestertum. Bei der Zeit nach dem Konzil von Trient handelt es sich dabei um eine dynamische Entwicklungsphase der römischen Kurie und ihres Verhältnisses zur katholischen Welt, zu deren Verständnis im größeren Rahmen der Forschungsgruppe mit der Analyse von Diskursen und Praktiken priesterlicher Körperlichkeit beigetragen werden soll.

Der Anspruch des Projekts besteht in einer multi-perspektivischen Herangehensweise, die neben den kirchenrechtlichen Rahmenbedingungen und dem Diskurs der zeitgenössischen Traktatliteratur auch weitere kultur- und religionshistorische Implikationen des Phänomens sichtbar macht. Das Quellenmaterial wird dabei unter anderem mit folgenden Forschungsfragen konfrontiert: Welche Anschauungen von (körperlicher) Normalität und Devianz stehen hinter der Beurteilung der Fälle? Welchen Anteil haben funktionalistische Überlegungen bezüglich des klerikalen Amtes im Vergleich zu Idealvorstellungen von priesterlicher, in den meisten Fällen zugleich männlicher, Natur? Die wesentliche Rolle des konkreten Vollzugs und der Symbolik zentraler religiöser Ereignisse, vor allem der Eucharistie, muss dabei besonders beachtet werden. Lassen sich anhand der vorliegenden Dokumente Vorstellungen der kirchlichen Autoritäten von denen der Betroffenen, wie auch von Laien unterscheiden? Welche verschiedenen Formen von Wissen werden in die Entscheidungsfindung einbezogen und wie verhalten sich diese zueinander, etwa kirchenrechtliche und theologische Autoritäten, empirische Verfahren und medizinische Expertisen?

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