Projektleitung

Dr. Benedetta Albani
Benedetta Albani
Leiterin der Max-Planck-Forschungsgruppe

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Zuständige Wissenschaftler

Anna Clara Lehmann Martins
Anna Clara Lehmann Martins
Doktorandin Max-Planck-Forschungsgruppe

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Externe Projektmitarbeiter

Giovanni Pizzorusso

Università “G. d’Annunzio”, Chieti-Pescara

Hauptprojekt

Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Max-Planck-Forschungsgruppe

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Vom Weben eines historiographischen Bilderteppichs. Das spanische Patronato Regio und portugiesische Padroado

Ein Teilprojekt von "A new look at the Patronato Regio", mit dem Schwerpunkt historiographische Beurteilung

Den Rahmen der Geschichtsschreibung über das Patronato Regio ausfindig zu machen, der geschichtliche und rechtshistorische Untersuchungen umfasst, ist ein wichtiger Schritt bei der Erarbeitung neuer Forschungsperspektiven. Ein solches Vorhaben erweist sich im Falle des Patronato aber als eine komplexe Herausforderung.

Hierfür gibt es mehrere Gründe:

Erstens, das Patronato ist kein einfaches, einheitliches Konzept. Stattdessen umfasst es vielmehr eine Vielzahl von rechtlichen Aktivitäten der spanischen Krone in Bezug auf kirchliche Institutionen in ihren Territorien. Zu ihnen zählen etwa, die Nominierung von Bischöfen, die Bestimmung geographischer diözesaner Grenzen, die Kontrolle der Effektivität päpstlicher Bullen und Breven, sogar die Ausführung der Rechtsprechung als Appelationsinstanz für den lokalen Klerus.

Darüber hinaus wurde das Patronato nicht ausschließlich auf die räumlichen und zeitlichen Grenzen des frühneuzeitlichen Spanischen Reiches beschränkt. Tatsächlich war das System seit dem Mittelalter in weiten Teilen Europas eine übliche Praxis, durch sie entwickelten sich die Beziehungen zwischen vielen Monarchien und dem Papsttum.

Auch das Königreich Portugal etablierte in der frühen Neuzeit sein eigenes Padroado-System. Beide Länder, Spanien und Portugal, sowie die ost- und westiberischen Kolonien machten jedoch sehr unterschiedliche Erfahrungen mit dem Patronato. Abhängig war dies von vielen Faktoren, über die Umweltbedingungen bis hin zu den Methoden und Zielen der Evangelisierung und Siedlung. Außerdem können unterschiedliche Entwicklungen dieses Rechtsregimes lange Zeit zurückverfolgt werden. Uns wird es so möglich zu beobachten, wie sich das System im Zusammenhang mit der Unabhängigkeit der iberoamerikanischen Kolonien im 19. Jahrhundert an imperiale und republikanische Systeme anpasst, ganz zu schweigen von den zahlreichen säkularisierenden Reaktionen die auf das Patronato-System folgten.

Schließlich ist das Patronato aufgrund der Beteiligung verschiedener Akteure und Quellenarten ein Phänomen, das aus vielen verschiedenen Perspektiven beobachtet werden kann. Ein bedeutsamer Teil der Geschichtsschreibung, der als traditionell angesehen wird, hat das Patronato als ein geschlossenes System betrachtet. Das bedeutet, der Krone und den Ortskirchen wurde in der Forschung eine führende Rolle zugewiesen, während dem Papsttum und der Römischen Kurie nur sehr wenig Handlungsspielraum zugestanden wurde. Als hätte der Heilige Stuhl nach den pontifikalen Konzessionen von Patronato-Rechten und dem Erlass der entsprechenden päpstlichen Bullen während des 15. und 16. Jahrhunderts aufgehört, Rechtsprechung über die iberischen Territorien auszuüben.

Jüngst haben Forscher, die sich mit der Geschichte des Papsttums und der Römischen Kurie befassen, jedoch Zweifel am totalisierenden, hartnäckigen Charakter des Patronato geäußert. Grundlage hierfür sind die Untersuchung von Aufzeichnungen über Aktivitäten und Entscheidungen römischer Akteure zu iberoamerikanischen Themen. Unter diesen Akteuren waren die apostolischen Nuntius, der Staatssekretär und die Kardinalskongregation die aktivsten. Durch den Vergleich und die Querverweise auf vatikanische und lokale Quellen beginnen diese Studien die Rolle des Heiligen Stuhls auf dem iberoamerikanischen Territorium zu enthüllen. Darüber hinaus tragen sie zu einer Interpretation des Patronato als einem System bei, das das Zusammenleben - wenn auch nicht konfliktfrei - mehrerer Akteure ermöglichte, deren Aufgaben sowohl auf der lokalen als auch globalen Ebene einen Nachhall fanden.

Um das Patronato Regio in seinen verschiedenen Facetten zu erfassen, schlagen wir einen Katalog wissenschaftlicher Publikationen zu diesem Thema vor. Beginnend mit einer gründlichen Überprüfung von Büchern, Kapiteln und Artikeln aus den folgenden Hauptbereichen: Rechtsgeschichte, insbesondere das Derecho Indiano; Geschichte der Iberoamerikanischen Kirche; Geschichte des Papsttums und der Römischen Kurie.

Obwohl sie wenig gegenseitigen Einfluss hatten, entwickelten diese drei historiographischen Traditionen sich ergänzende Perspektiven. Indem wir Erkenntnisse und Interpretationen aus diesen drei Bereichen sammeln, hoffen wir, das Patronato in seiner Vielzahl von Konfigurationen, Erfahrungen, Entwicklungen und Perspektiven erfassen zu können. Sichtbar wird ein Phänomen, das den Heiligen Stuhl, die Ortskirchen und die iberischen Kronen gleichzeitig in einer verwobenen und komplexen Beziehung einbezieht.


Bild: Bullaries, collections, manuals and other works related to Patronato Regio,
Benedetta Albani

 
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