Zuständige Wissenschaftlerin

Dr. Cecilia Cristellon
Cecilia Cristellon
Wissenschaftlerin SFB 1095 "Schwächediskurse und Ressourcenregime"
Telefon: +49 (69) 789 78 - 207

Vernetzung im Forschungsprofil

Forschungsprojekt | Abteilung II

Informationen als Ressource für die Verwaltung religiöser Pluralität in der Frühen Neuzeit

Das Projekt untersucht Informationen, die die lokalen europäischen Kirchen bezüglich der Mischehen an die Römische Kurie in der Frühen Neuzeit zukommen ließen, und erforscht, wie diese Informationen als Ressource für juridische Entscheidungen im Bereich der religiösen Pluralität verwendet wurden. Ausgehend von Quellen aus vatikanischen Archiven, geht es um die rechtlich-normativen Grundlagen der multireligiösen Koexistenz, welche die Ehe sowohl innerhalb der christlichen Konfessionen als auch zwischen Christen, Juden und Muslime in den Mittelpunkt stellten. Ferner wird danach gefragt, inwiefern die Dynamiken des religiösen Zusammenlebens und die Gestaltung der Lebenswege einzelner Individuen entscheidenden Einfluss darauf hatten.

Erforscht werden auch die Mechanismen, die von den lokalen und der zentralen Kirche in Gang gesetzt wurden, um Informationen zu den Mischehen zu sammeln und zu verarbeiten. Ebenfalls von Interesse ist die Frage, wie diese Informationen in Rom klassifiziert und verteilt wurden und wie sie zur Herausbildung eines Corpus von Normen beitrugen, an das sich die späteren Entscheidungen der Kongregationen tendenziell anpassten.

Besondere Aufmerksamkeit wird Verfahren der Auswahl, Interpretation, Zensur aber auch der Missachtung bestimmter Informationen zu unterschiedlichen Zwecken und in unterschiedlichen Momenten gewidmet. Ein solches Verfahren erlaubte, die Informationen als flexible Ressource für die Aushandlung und Verwaltung religiöser Pluralität zu erhalten und damit einerseits dogmatische Stränge, andererseits praktische Flexibilität zu sichern.

 
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