Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 300

Konzern und Moderne

Die verbundene juristische Person in der visuellen Kultur 1880–1980
Konzern und Moderne.<br />Die verbundene juristische Person in der visuellen Kultur 1880–1980<br /><em>Daniel Damler</em><br />Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 300 Bild vergrößern
Konzern und Moderne.
Die verbundene juristische Person in der visuellen Kultur 1880–1980
Daniel Damler
Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 300 [weniger]

Daniel Damler

Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 300
Frankfurt am Main: Klostermann 2016. XI, 371 S.

ISSN 1610-6040
ISBN 978-3-465-04286-0


Seit dem späten 19. Jahrhundert ist zu beobachten, wie in Europa und Nordamerika eine diffuse Angst um sich griff, die Angst vor einer namenlosen, in der Deckung operierenden Supermacht, die das staatliche Gewaltmonopol unterläuft: die verbundene juristische Person. Da ein institutioneller Wandel – anders als ein technologischer – sich der unmittelbaren Anschauung entzieht, müssen dessen Merkmale visualisiert, sinnlich erschlossen werden. Diese Herausforderung entflammte den Ehrgeiz ganzer Bataillone von Juristen, Ökonomen, Journalisten, Graphikern, Cartoonisten, Malern, Architekten und Regisseuren. An dem Kampf um die Deutungshoheit hatten Verlegerlegenden wie Pulitzer und Hearst ebenso Anteil wie Rockefeller, Lenin und Le Corbusier.

Anhand der gebräuchlichsten Sinn stiftenden „Konzernbilder“ lässt sich ein Psychogramm der (Hoch-) Moderne erstellen, das die Ängste, Ambitionen und Visionen der Epoche dokumentiert und den Blick öffnet für verdeckte Denkmuster und Leitbilder in Gesetzgebung, Rechtsprechung und Wissenschaft. Die Konzern-Metaphorik vereinigte gedanklich Brennpunkte sozialer, ökonomischer, juristischer und politischer Entwicklungen zu einem undurchdringlichen assoziativen Feuerkreis, der jene eigentümliche, verhängnisvolle Beklemmung hervorrief, die das 20. Jahrhunderte prägte und die Hinwendung zu totalitären Herrschaftsmodellen beförderte.

Inhalt

Vorwort | XI

Prolog Die zweite Schöpfung | 1

  1. Mensch und »Concern« | 2
  2. Verbundenes Denken: Sprachbilder | 4
  3. Verbundenes Denken: Schaubilder | 7
  4. Örtlicher und zeitlicher Rahmen | 15
  5. Forschungsstand | 17

Erstes Kapitel Der Octopus | 21

  1. Rockefellers »Standard Oil«: Archetypus und Ikone der verbundenen Kapitalgesellschaft | 22
  2. Corporate City: Wie New York sein Verkehrssystem modernisierte | 32
  3. Trustbuster und Muckraker: Aufstieg und Fall des investigativen Journalismus | 48
  4. IV. When Law goes Pop: Die Geburt des Konzerns aus dem Geist des Cartoons | 55
  5. Schlangen, Kraken, Spinnen: Die Einheit verbundener Unternehmen avant la lettre | 63

Zweites Kapitel Der Bastard | 85

  1. Die unnahbare Schöne: Corporate imagery im 19. und frühen 20. Jahrhundert | 86
  2. Familienidylle: Verbundene Unternehmen als tugendhafte Gemeinschaft | 99
  3. Hundert Jahre Zwietracht: Die GmbH & Co KG – Trauma der deutschen Rechtswissenschaft | 110
  4. Fluch der sittlichen Unmöglichkeit: Juristische Personen als persönlich haftende Gesellschafter | 124
  5. Rebellion des juristischen Formgefühls: Der Kampf gegen die »Grundtypenvermischung« | 135

Drittes Kapitel Das Imperium | 157

  1. Lenin in Zürich: Quellen und Vorgeschichte einer revolutionären Imagination | 158
  2. Von der imperial map zum Konzernschaubild: Die visuelle Sensibilität des Sozialismus und ihre Folgen | 171
  3. Kautskys Einwand: Kritik der Gleichsetzung geopolitischer und korporativer Strukturen | 182

Viertes Kapitel Das Komplott | 193

  1. Morning Post, 20. August 1918: Der internationale Konzern als Feind in Englands Mitte | 194
  2. Lex Merton: Die Kontroverse um die Non-Ferrous Metal Bill | 204
  3. Weltkonzern und Weltverschwörung: Strategien einer Nivellierung | 209

Fünftes Kapitel Der Moloch | 219

  1. Flanieren durch Babylon: Die urbane Präsenz der Großkonzerne in den Goldenen 20er Jahren | 220
  2. Kontrollverlust und Ohnmacht: Die Kritik an den Kapitalgesellschaften im Spiegel anti-urbaner Ressentiments | 230
  3. Ein lebensfrohes Miteinander: Kleinstadtromantik und »Verpersönlichung« der Aktiengesellschaft | 235

Sechstes Kapitel Das Ornament | 251

  1. Komplexität und Verbrechen: Von der progressiven zur reaktionären Sachlichkeit | 252
  2. Diktatur der Transparenz nach 1945: Die ordnungspolitische »Glaskultur« des Ordoliberalismus | 265
  3. Kapitalismus als Häresie der Formlosigkeit: Le Corbusiers Vision einer strahlenden économie coordonnée | 274
  4. Lob der Vielfalt und Renaissance des Laisser-faire: J. Jacobs, F. A. von Hayek, M. Friedman | 284
  5. Verbundene Verträge: Die postmoderne Kapitalgesellschaft | 295

Epilog Leviathans Wiederkehr | 303

Quellen- und Literaturverzeichnis | 321

Abbildungsverzeichnis | 359

Orts- und Personenregister | 367

 
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