Forschungsfeld

Rechtsgeschichte der Schule von Salamanca

Allegorie der Justitia und ihrer Begleiterinnen (Veritas, Jus, Fortitudo) - Kupferstich aus Luis de Molina: De Justitia et Jure.Tomus I. Genf 1732.
Allegorie der Justitia und ihrer Begleiterinnen (Veritas, Jus, Fortitudo) - Kupferstich aus Luis de Molina: De Justitia et Jure.Tomus I. Genf 1732. [weniger]

Die heutigen westlichen Vorstellungen von Recht und Politik, von Religion und Moral haben sich in einem komplexen und lang andauernden Prozess der Aneignung, Kritik und Weiterentwicklung antiker und mittelalterlicher Überlieferungen herausgebildet. Dabei kam der frühneuzeitlichen Scholastik eine wichtige Rolle zu. Besonders an der Universität von Salamanca setzten sich Theologen, Philosophen und Juristen mit ihren geistesgeschichtlichen Traditionen im Licht der politischen und moralischen Herausforderungen auseinander, die das kolonisierende Ausgreifen Spaniens auf Lateinamerika, die konfessionellen und politischen Differenzen innerhalb Europas ebenso wie das Entstehen neuer Formen des Handels und Wirtschaftens darstellten. In kurzer Zeit entstand ein intellektuelles Kraftfeld, das sich an verschiedenen Punkten auf der Welt reproduzierte. Ihm wird besondere Bedeutung für die Formulierung universal verstandener Menschenrechte, der Grundkategorien von Schuld, Strafe und Verantwortung oder des modernen Völkerrechts zugeschrieben. Zugleich war es Reflexionsfeld für die Bedeutung des Rechts und rechtlicher Verfahren für legitime politische Verhältnisse.

Die Forschungsprojekte in diesem Forschungsfeld nähern sich mit unterschiedlichen thematischen wie methodischen Schwerpunkten den Texten dieser Schule, um der – aus heutiger Sicht - Transdisziplinarität ihres Denkens gerecht zu werden und über punktuelle Einzelbeobachtungen hinaus zu einer Bewertung ihrer Bedeutung für die Rechtsgeschichte zu kommen. Im Zentrum stehen die juristisch-politische Sprache der Schule von Salamanca wie das Zusammenspiel von Moraltheologie, kanonischem Recht und Politik. Es geht um die Präsenz und Translation der frühneuzeitlichen Scholastik im kolonialen Amerika, aber auch um den Einfluss kirchlicher Institutionen, Kanonisten und Theologen auf die Lösung von Konflikten in beiden Hemisphären. Dabei wird der medialen Dimension und dem Ort pragmatischer Literatur in der frühneuzeitlichen Ökonomie normativen Wissens besondere Beachtung geschenkt.

 

Forschungsprojekte

 
loading content