LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“
Zum 01. Januar 2012 wird in Frankfurt am Main der neue LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ seine Arbeit aufnehmen. Er wurde im Sommer 2011 im Rahmen der vierten Förderstaffel der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) für einen Förderzeitraum von zunächst drei Jahren mit einer Gesamtfördersumme von 3,4 Millionen Euro bewilligt.
Der Schwerpunkt ist eine gemeinsame Forschungsaktivität von 17 Wissenschaftler/-innen des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte (MPIeR), der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Fachhochschule Frankfurt am Main - University of Applied Sciences. Assoziierter Partner ist die Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e.V. (Wetzlar).
Das zentrale Anliegen des Verbundforschungsvorhabens ist die interdisziplinäre und internationale Analyse von Konflikten, Konfliktaustragung und Konfliktlösung in komparativer, interkultureller wie diachroner Perspektive. Ziel ist es, Modelle, Typen und Modi von Konflikten und Konfliktlösung zu entwickeln und in solcher Form die Grundlage für eine historisch-empirisch fundierte Theoriebildung in der Konfliktforschung zu schaffen. Im Kern handelt es sich um eine Initiative der Rechtshistoriker an der Goethe-Universität und am MPIeR, Prof. Dr. Albrecht Cordes, Prof. Dr. Thomas Duve und Prof. Dr. Guido Pfeifer, die, vor dem Hintergrund der traditionell starken Aufstellung der Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main, auf Kolleginnen und Kollegen der Fachbereiche 08 und 09, auf die FH und die Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung zugegangen sind.
Der Schwerpunkt verfügt über ein zeitlich wie geographisch breit angelegtes Themenset: Die einzelnen Forschungsvorhaben reichen vom Alten Orient und dem hellenistischen Ägypten, dem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa als Handelsraum, der Neuen Welt des 16. Jahrhunderts, den Städten des frühneuzeitlichen Europa, dem „Alten Reich“ und seinen Territorien, über das England des 18. und 19. Jahrhunderts, Deutschland und das Völkerrecht im 19. und 20. Jahrhundert bis zum China der späten Kaiserzeit, zu den Vereinigten Staaten und zum Japan der Gegenwart. Das strukturelle Wissen, auf das die betont interdisziplinäre Arbeit des Schwerpunkts zielt, soll nicht exklusives Gut der Grundlagenforschung bleiben, sondern in den Diskurs mit der Praxis eingebracht werden. Über einen Expertenrat, gebildet aus Praktikern der außergerichtlichen und gerichtlichen Konfliktlösung, wollen die Wissenschaftler/-innen des Schwerpunkts ihre Ergebnisse in ein Gespräch mit den Akteuren einbringen, die an der Gestaltung von Entscheidungssystemen mitwirken, aber auch alltäglich mit Verfahren der Konfliktlösung befasst sind. Hier wird ein für die Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften innovatives Instrument des akademisch-politisch-gesellschaftlichen Dialogs erprobt.
Zum Sprecher des Schwerpunkts wurde für das Jahr 2012 Prof. Dr. Thomas Duve, der Direktor des MPIeR gewählt. Sein Stellvertreter ist Prof. Dr. Albrecht Cordes, Inhaber des Lehrstuhls für mittelalterliche und neuere Rechtsgeschichte und für Zivilrecht am Fachbereich 01 der Goethe-Universität. Gut drei Viertel der beteiligten Forscher entstammen der Rechtswissenschaft. Auch die Geschichtswissenschaft und die Sinologie sind im Schwerpunkt durch namhafte Fachvertreter repräsentiert. Komplettiert wird die Forschung im Schwerpunkt durch ein internationales Fellowship und eine ambitionierte Nachwuchsförderung für Postdoktoranden/-innen sowie Doktoranden/-innen einschließlich einer Nachwuchsgruppe.
Die im Schwerpunkt zusammengefassten Projekte werden im Wintersemester 2011/12 durch die beteiligten Wissenschaftler in der Ringvorlesung „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ vorgestellt, die zugleich als Kolloquium in den juristischen Schwerpunktbereichen 1, 3 und 5 angeboten wird (mittwochs, 14.00-16.00 Uhr, RuW 4.101, Beginn: 19. Oktober 2011) und auch für die Studierenden anderer Fachbereiche geöffnet ist. Weitere, regelmäßig aktualisierte Informationen sind auf der Homepage des LOEWE-Schwerpunkts „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ zu finden unter
http://www.konfliktloesung.eu/.




