Max-Planck-Gesellschaft
Max-Planck-Institut fuer europaeische Rechtsgeschichte

Besondere Forschungsfelder

Seit Jahrzehnten versuchen Juristen, die Welt nach Rechtskreisen, legal traditions oder Rechtskulturräumen zu ordnen: Die Erweiterung der Welt macht Orientierung, Abgrenzung macht Identitätsstiftung unentbehrlich. Half das Gebot europäischer Perspektivenbildung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, durch die Erkenntnis der europäischen Verflochtenheit auch das Eigene besser zu verstehen, so wird Europa als historische Großregion inzwischen im Zusammenhang noch größerer Einheiten gesehen. Die »westliche Rechtskultur« wird auf Nord-, Mittel- und Südamerika sowie, den Wechselfällen der Geschichte folgend, auch auf andere Regionen ausgedehnt, oft aufgrund kolonialer Verflechtungen. Doch indem wir diesen Verflechtungen folgen, zerfallen unsere auf der Vorstellung von Einheitlichkeit beruhenden Rechtsräume. Wir entdecken Vielfalt und Einheit über die gewohnten Grenzen hinaus.

Globale Perspektiven auf die Geschichte fordern deswegen auch die Rechtsgeschichte heraus und werfen Fragen nach dem Europabegriff auf, zumal wir zunehmend entdecken, wie begrenzt unser Europabild ist: Nicht nur, weil die europäische Expansion über den Atlantik und den Pazifik auch eine Expansion des Rechts war, die nicht ohne Auswirkungen auf Europa selbst blieb, sondern auch, weil wir weite Teile des Kontinents, etwa Südosteuropas, aus unserem traditionellen Bild Europas ausblenden.

Das Institut untersucht deswegen in zwei Besonderen Forschungsfeldern mit regionalem Bezug – Rechtsgeschichte Lateinamerikas und Die Entstehung nationaler Rechtssysteme im post-osmanischen Südosteuropa – Verflechtungen von Rechtsordnungen, die Entstehung von kulturellen Räumen und damit einhergehende Identitätsbildungsprozesse. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Trägern dieser Kommunikationsprozesse und den Differenzen innerhalb dieser Räume, der Unterschiedlichkeit der normativen Reproduktion und den Gründen für diese Diversität. Der Ansatz bei diesen Regionen ist insofern heuristisch; die Forschung fragt gerade nach der historischen Valenz dieser Raumbildungen.