Workshop

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Workshop: Historische Argumentation und die Zuerkennung von indigenen Sonderrechten in Lateinamerika

  • Beginn: 19.03.2017
  • Ende: 21.03.2017
  • Vortragender: vom MPIeR: Thomas Duve, Lorena Ossio B.
  • Organisation: Lorena Ossio Bustillos
  • Ort: Universidad Andina Simón Bolívar, Sucre u.a.

Die Frage nach der historischen Argumentation und den Grundlagen der Formulierung für die Zuerkennung von Sonderrechten in Gesetzgebung und Rechtsprechung sowie in wissenschaftlicher und politischer Debatte sind bisher weniger in Lateinamerika untersucht worden. Dasselbe gilt für die Geschichtsbilder selbst, die in den historischen Wissenschaften der letzten drei Jahrzehnte eine deutliche Veränderung erfahren haben. Dominierte lange die heute eher im politischen Diskurs sehr präsente schematische Entgegensetzung von ‚Kolonisatoren‘ und ‚Kolonisierten‘, so werden inzwischen die agency indigener Völker, historische Formen zugestandener oder bloß praktizierter justizieller Autonomie in der Kolonialzeit sowie die Verschlechterung der Lebensbedingungen in Zeiten der Verfassungsbewegung und Nationalstaatsbildung im 19. Jahrhundert unterstrichen.

Ziel dieses Workshops ist sich kritisch mit den grundlagentheoretischen Gedanken der Bildung indigener Sonderrechte und mit der Schaffung und Implementierung einer indigenen Gerichtsbarkeit auseinanderzusetzen: Die Verfassungen der Andenländer erkennen ausdrücklich die indigene Gerichtsbarkeit oder Elemente des indigenen Gewohnheitsrechts an und verweisen hinsichtlich der in der Verfassung anerkannten Regelungen des indigenen Gewohnheitsrechts an ein spezielles Ausführungsgesetz. Bislang hat jedoch nur Bolivien dieses Gesetz verabschiedet. Was stellte das neue Konzept des Nationalstaates für die Wahrnehmung der Identität der indigenen Bevölkerung für das Recht dar? Was waren die Leitbilder der damaligen Rechtsdiskurse? Die sogenannten liberalen Verfassungen haben die ursprünglich anerkannten indigenen Sonderrechte aberkannt, um eine formelle Gleichheit zu proklamieren. Welche Bedeutung hatte dieser Umbruch für die Rechte der indigenen Völker? Gegenstand des Workshops in Bolivien werden diese Fragen sein.

Der Blick auf Lateinamerika dürfte sich lohnen, ist dieser Kontinent doch ein gewaltiger Beobachtungs- und Erfahrungsraum für Fragen kultureller und rechtlicher Diversität. Die daraus resultierende Reflexion dürfte für die europäischen Gesellschaften von zunehmender Relevanz sein. So findet man unterschiedliche Reaktionen auf die Forderung nach einer Berücksichtigung „kultureller Diversität“ im Recht in dieser Region.

Vortragende vom MPIeR: Thomas Duve, Lorena Ossio B.


Bildnachweis: Foto: T.Ossio. Oben: Hauptstadt Bolivien: Sucre und Foto unten: Casa Real de la Moneda in Potosí (Königliches Münzhaus, gebaut 1572)

 
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